Die 1960-er: Vom Beat über Psychedelia hin zum Rock: Mitten drin in der Szene von „Brum“ – und ein Hit in Australien, der kein Geld einbringt

Die Ereignisse während der 1960er „in einer Nußschale“

Das Jahrzehnt, in dem die Rockmusik explodierte und die britische Variante davon in das Ursprungsland USA im großen Stil reimportiert wurde, sieht Steve Gibbons in wechselnden Formationen mit Musikern, die – obwohl sie weder sein Charisma  noch seine Kreativität haben –  später in weltbekannten Formationen spielen werden.

Vielleicht würde Steve in Anlehnung an das bekannte Zitat von Cäsar sagen: „I assure you I had rather be the first man in my own band than the second, third, fourth or even fifth man in any one elses“?

  • Er beginnt als Elvis-Imitator in Birmingham, spielt anschließend an britischen Truppenstandorten in Deutschland „British Rock`n`Roll“,  wo er von Bob Dylan beeinflusst wird und ist an einer Single beteiligt, die nach Meinung einiger vielleicht „the rarest UK `psyschedelic`45“ ist.
  • Eine weitere Single der Uglys, halten manche sogar für auf Ohrenhöhe mit den Beatles („The Quiet Explosion‘ is a lost psychedelic classic complete with freaky organ and echoey bass. This was certainly ahead of its time when considering The Beatles had only just started experimenting with strange sounds on their ‚Revolver‘ album“)
  • Ein erster Versuch, in Finnland auf Tournee zu gehen, endet mit Stunden im Gefängnis (ein zweiter gelingt, immerhin).
  • Gibbons versucht sich, offensichtlich nicht ganz ohne Erfolg, als Blasmusiker. Und entwickelt damals schon sein Markenzeichen als Rezitator, der Songs mit erheblichen schauspielerischen Qualitäten nicht singt, nicht interpretiert – sondern lebt.
  • Es entstehen einige Singles, die sich aus Gründen, die diejenigen, die sich heute noch daran erinnern, nicht nachvollziehen, können, nicht in den Charts platzieren können.
  • Eine von diesen Singles war auf gutem Weg. Immerhin 800 Stück verkaufen sich davon pro Tag! Dann kommt eine typisch britische Erscheinung in die Quere: Ein Streik, der – gerade als es anfing, zu „laufen“ – den Vertrieb unterbrach.
  • Dennoch ist man häufig Gast in britischen TV Shows.
  • Am Ende des Jahrzehntes ist Gibbons dann (kurzzeitig) Mitglied einer Gruppe, die am Reißbrett als Supergroup geplant wurde, dann aber sang- und klanglos von der Szene verschwand.

Die wichtigsten Stationen im Einzelnen

Im folgenden werden die wichtigsten Stationen der Karriere von Steve Gibbons in den 1960ern dargestellt.

Birmingham in den 1960ern

Stadt und Gesellschaft

Zur Einstimmung werfen wir jedoch einen Blick auf die Stadt Birmingham, in der sich das, war wir erzählen werden, überwiegend abspielt. Dabei hilft uns wiederum die Autobiografie von Steves Alters- und Bandgenossen Dave Morgan (Scott):

Das Stadtbild war noch sehr von Krieg und Industrie geprägt:

The City of Birmingham in the mid stixties was a landscape alternating between the scars of German boms and the grimmy Victorian edifices that marked its industrial heritage.

Autoritäten galten  noch viel:

It was the sixties, an era when a policeman would stop a speeding car by stepping out into the road and putting his hand up. That was all it took.

Und es gab noch Ideale, die man anhimmeln konnte und übermächtige Bösewichte:

A world full of giants. Of Churchill and Stalin. Of Chaplin, Brando, Elvis and then – the Beatles

Im Vergleich zur Dekade vorher waren die 1960er in Birmingham jedoch ein farbiges Jahrzehnt. Auch die Stadtrundfahrtsvideos auf YouTube sind nun farbig:

Die Musikszene der Second City

Bunt war auch die Musikszene: Das Birmingham von damals wird als „eine einzige Band“, mit Musikern, zwischen denen eine „freundschaftliche Rivalität“ herrschte, beschrieben. Ungefähr 500 Bands soll es gegeben haben.

Jürgen Wanda beschreibt in seinem Buch (s. „Weiterführende Quellen„, dort S. 12f), dass sich mit den Beatles Liverpool neben London zum Zentrum der Beatmusik netwicklet hätte. Darauf hin gab es auch Hoffungen, dass sich Birmingham, die zweitgrößte Stadt auf der Insel, sich zu einem weiteren solchen Zentrum entwickeln würde. Dann schreibt er jedoch weiter:

Doch der erhoffte Boom blieb aus. Möglicherweise lag es daran, dass die gesamte Musikszene der Stadt innerhalb von nur einigen Wochen und Monate explodierte. Es ließ den einzigartigen Enthusiasmus vermissen, der lIverpool durch di ejahrelange Isolation nun beherrschte. Herumjagdende Plattenmanager fanden (in Birminggham) nur wenige potentielle Hitmacher unter den vielen fähigen, aber doch meist farblosen Bands der sogenannten Second City.

Dabei wies er allerdings deutlich darauf hin, dass man in Brimingham auch als Beatlband mit nur lokalem Erfolg gut leben konnte:

Es nicht landesweit zu schaffen , bedeutete aber nicht gleich Arbeitslosoigkeit. Im Gegenteil – Auftrittsmöglichkeiten gab es genug… Ganz Brimingham war übersät mit Beatbands

Und er machte deutlich, dass man sich als Musiker in einer solchen Szene keine Gedanken um weitere Auftrittsmöglichkeiten machen musste, wenn es zu Meinungsverschiedenheiten mit den Kumpeln in der bisherigen Band kam:

Und da es Bands wie Sand am Meer gab, machte es nichts, wenn man aus einer Band hinausgeworfen wurde. Ging man halt zu einer anderen. Die Line-Ups in solchen tagen waren eh nicht stabil.

Bei einer solchen umfangreichen und belebten Szene verwundert es nicht, dass es mit  Midland Beat eine eigene Zeitschrift gab, die über diese Szene berichtete.

Wer Lust dazu hat, kann im Birmingham Music Archive online alte Ausgaben dieser Zeitschrift einsehen.

Midland Beat: Das „Branchenblatt“ der lokalen Szene

Dabei stellt man dann fest, dass die Zeitschrift nicht nur über Bands berichtetet, sondern auch Informationen für solche gab.

So gab es praktische Tipps, wie denjenigen, in die Musikergewerkschaft einzutreten, um nicht auf kriminelle Manager herinzufallen:

oder, wie man einen Fanclub für die eigene Band gründet, oder den Rat, sich einen Organisten zuzulegen, da dies der Trend der Zukunft werden würde:

(Sorry: Uns fällt beim Thema „Keyboarder“ immer der alte Gitarristenwitz ein: Was haben Keyboarder in Bands und Kondome beim Sex gemeinsam? Ohne ist schöner, mit ist aber sicherer!)

Es wurde auch darüber berichtet, welche Brum Bands gerade wieder zu Auslandsgastspielen in Frankreich oder Deutschland aufbrachen

Rückkehrer berichteten über ihre Erfahrungen und analysierten dabei zB – wenig schmeichelhaft – die deutsche Szene:

Germans? They are six months behind Brum!

berichtet etwas Dennis Ball, Bassist der Band „Out of the Blue“ nach einem Jahr voller Gastsspiele in Deutschland und ergänzt:

The German scene has no trendsetters. They follow on anything that England comes up with, only way behind.

I estimate that in another six months, Flower Power will be settling in and by this time England could well be on to something new.

Neidisch scheint man in britischen Musikerkreisen jedoch auf die Qualität deutscher Musikinstrumente gewesen zu sein. Dies legen die Anzeigen für Instrumente der Marken „Hofner“ (also: Höfner) und Hohner nahe.

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(Nett auch der Slogan „Play an instrument – for pleasure and profit“.)

Ratschläge, Erfahrungsberichte und Anzeigen: Midland Beat war also eine Art Brachenblatt.

Und wie es sich für ein solches gehört, dürfen deshalb auch Weihnachts- und Neujahrgrüße – von den Gruppen (wie hier Denny Lane and the Diplomats) an ihre Fans, nicht fehlen:

midland 9

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Natürlich machte man in Midland Beat auch zu anderen Jahrezeiten Werbung für Demostudios, Fotografen für das Bandfoto und Bands, die man buchen konnte (hier für Trevor Burton – von dem hier noch öfters die Rede sein wird- und seine damalige Gruppe die Everglades):

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Alexes`Pye Stand: Platz zum Abhängen und „Musikerbörse“

Midland Beat war offensichtlich eine verlässliche Quelle, um sich mit der bei Druckmedien üblichen Vorlaufzeit über neues in der lokalen Musikszene zu informieren.

Wer wollte konnte dies aber auch in Echtzeit (und zur Nachtzeit) tun. Die  neusten Ereignisse, Auftritte und „Transfers“ von Bandmitgliedern waren nämlich auch Thema an einem Imbissstand – nämlich Alexes Pye Stand. Dort trafen sich nach ihren Auftritten viele Musiker und auch manches neues Bandprojekt wurde hier ausgeheckt.

The Dominettes

„Not especially good musicians“

Zu Beginn des Jahrzehnts ist Steve Sänger der The Dominettes, einer lokal bekannten Gruppe, die Rhythm and Blues-Standards spielte und abwechselnd zur Untermalung von Stripperinnen wie auch in renommierten Veranstaltungsorten wie dem Firebird Jazz Club in der Carrs Lane im Zentrum von Birmingham auftritt.

Durch ständige Auftritte und Anzeigen mit dem Slogan „Anything considered“ in der Provinz-Pop-Gazette „Midland Beat“ erwarben sie sich lokale Bekanntheit, obwohl selbst das Boooklet zur Retrospektive „There & Now“ feststellen musste:

The Dominettes … were not especially good musicians.

Sie kompensierten das mit offensichtlich mit Entertainerqualitäten. („They were always entertaining and fun“ heißt es an selber Stelle).

Laurie Hornsby sieht einen der Gründe für den Erfolg der Dominettes darin, dass sie sehr früh ihr (schlechtes) Image als rauhe Burschen gepflegt haben und sich deshalb von der „booted and suited clientele“ in der Birminghamer Sicilio Bar abhoben.

Außerdem schreibt er, sie hätten über ihren

„charismatic front man Steve Gibbons a genuine feel for rock and blues“

entwickelt. (Brum rocked on, S. 19)

Ab dem Jahr 1963 gesellten sich zu den Rock`n`Roll-Idealen der ersten Generation, die vornehmlich aus den USA stammten, vier britische Jungs, die ebenfalls nicht aus der Hauptstadt London stammten. Deren Auftauchen auf de Musikszene änderte viel, wenn nicht alles.

Dazu wiederum Dave Morgan in seiner Autobiografie:

…Einstein may have unlocked the secret to the atom but the Beatles unlocked the door to all our unspoken and undreamed aspirations. The Beatlesc changed our world and we can look back and see it in a differnet light, but then … we were caught up in a tide of history that swept all before it. The fab four distilled a potion so strong everybody wanted a slug of it. It was a tonic of joy and cheek, the most essential ingredients of good music.

Es lag also Aufbruchsstimmung in der Luft. Auf zu neuen Ufern, heiß der Slogan.

Und tatsächlich ging es für die Dominettes, ebenfalls im Jahr 1963, zumindest über den Ärmelkanal. Die Band hatte nämlich ein Angebot, für einen Monat in Frankreich in einer Armee-Basis zu spielen, bekommen. Zwei Tage nach Weinachten packten sie ihre Ausrüstung in ihren alten Commer Van und los ging es.

Diebstahl in Paris

Nach dem Gastspiel beschloss man noch einen Abstecher nach Paris. Das hätte man besser bleiben lassen sollen. Als sie am anderen Morgen aufwachten, war nämlich der Van noch da, aber Instrumente und Anlage waren weg. Diebe hatten zugeschlagen.

The Ugly`s

Neues Geld, neuer Name, neuer Club

Das Gastspiel in Frankreich muss sehr erfolgreich gewesen sein. Die Band ließ sich nämlich durch diesen Rückschlag nicht entmutigen. Im Gegenteil: Sie beschlossen einen Kredit aufzunehmen, um nicht nur neue Instrumente, sondern auch einen neuen Van zu kaufen.

Und weil man schon beim Erneuern war, gab man sich auch einen neuen Namen.

Ab Anfang 1964 benannte man sich The Ugly`s um. (Auch wenn Englischlehrer es anders sehen würden. In diesen Fall schreibt man das wirklich mit Apostroph vor dem „s“.)

Jürgen Wanda schreibt in seinem Buch (s. „Weiterführende Quellen„, dort S. 24), dass man sich deshalb umbenannt  hätte, da man den Namen „Dominettes“ zu sehr mit Skiffle verbunden hätte. Jedoch erscheint dies als Grund für die Umbenennung fraglich, da 1964, als die Beatlesmania schon ausgebrochen war,  die hohe Zeit des Skiffle eigentlich schon lange vorbei war.

Werbetechnisch scheint der Name ein guter Schachzug gewesen zu sein.

So meinte die Band in einem Interview:

„the people come along to see if we really are ugly“.

Da die Jungs tatsächlich aber nicht hässlich waren, wurden mit Lippenstift geschriebene Liebesgrüße ihrer weiblichen Fans eine häufige Dekoration des Transporters, mit dem sie zusammen mit ihrer Ausrüstung zu ihren Auftritten fuhren.

In der Fernsehdokumentation „Brum Beat -Birmingham Sound“ aus dem Jahr 1992 meint Steve Gibbons (ab ca. 2:50) selbst zum Bandnamen:

„I think it said, what we  were trying to say about our music too. It was pretty ugly, pretty rough.

And it (gemeint ist der Name) did work. It did the task which it should do: It attracted people`s attention and it was easy to print in the paper.“

Ein Beispiel dafür, wie mit dem Namen die Neugier der zahlenden Kundschaft geweckt wirde, ist eine Anzeige, mit der die Single „Wake Up My Mind“ beworben wurde:

„Ugh! they`re too ugly to show! But hear them singing!“

Offensichtlich bracht der Name sogar zusätzliche Auftritte, nur weil er ein guter Kontrast zu anderen Bandnamen war. Dazu wiederum Steve Gibbons:

I remember we are being teamed together with The Pretty Things. That was a splendid idear: The Ugly`s and The Pretty Things.

Bei ihren Auftritten waren The Ugly`s unter anderem die erste Band, die im Cedar Club, der eine feste Größe in Birmingham werden sollte, spielte.

Man spielte sich durch den Katalog von Eddie Cochran, Elvis, Gene Vincent, aber auch Songs von Lonnie Donegan (San Miguel und Gambling Man) waren zu hören. Vermutlich in etwas „heavy-eren“ Versionen als die Originale.

Aber noch kein Plattenvertrag

Die Chancen auf eine steile Karriere schienen also gut, wenn es noch gelingen würde, einen Plattenvertrag zu ergattern.

Das sollte jedoch noch einige Zeit dauern. Zuerst stand ein weiteres Auslandsgastspiel auf dem Plan.

Wie viele andere Bands aus den West Midlands konnte man im Jahr 1963 ein Engagement in  der britischen Besatzungszone in Deutschland ergattern.

Das Gastspiel im Club „Kon Tiki“ in Münster dauerte  (wie ein späteres Engagement in Fulda) einen Monat und war deshalb nicht mit einem Day-Time-Job in Birmingham kombinierbar. Deshalb gab Steve, ebenso wie Schlagzeuger Jimmy Holden,  seinen Beruf auf und wurde Profimusiker. „Die anderen in der Band haben sowieso nicht gearbeitet“, meinter er Jahre später.

Steve Gibbons machte das Auslandsgastspiel, wegen dem man ins Profilager wechselte zum Thema eines Liedes auf der 1983er LP der Steve Gibbons Band „Street Parade“. Dazu verlegte er de Ort des Geschehens aber nach Frankfurt.

In „British Rock `n`Roll“ schilder er die nächtliche Überfahrt über den Kanal, die Anreise in einem vollgepackten Dormobile (einem Campingbus mit aufklappbarer Schlaffläche auf dem Dach, vermutlich ein Bedford CA), der als Bandbus diente.

Auch die beiden Hauptmotive der Band, sich auf dieses Abenteuer einzulassen, beschreibt er kurz und treffend:

Da war zum einen der monetäre Aspekte:

„We´ll be away six weeks so we`ve just turned pro/ And they pay real good with American dough“

to turn pro = ins Profilager wechseln; dough = Teig, Knete, auch im Sinne von Geld.

Aber auch ein eher imatertieller Gesichtspunkt spielte wohl eine Rolle. Wenig später heißt es nämlich:

„Freuleins here we come“

Wir wissen natürlich nicht, inweit sich die diesbezüglichen Erwartungen der Musiker erfüllt haben. Wenn man allerdings die Berichte britischer Musiker, auch der Beatles, über ihre damaligen Gastspiele in „Western Germany“ liest, bekommt man ein wenig den Eindruck, dass der dieser Teil von Nachkriegsdeutschland aus dem Ausland so gewirkt haben muss, wie eine Art „Thailand der 1960er Jahre“.

Wegen Auftritten in Deutschland: Vorspielen für EMI-Plattenvertrag verpasst

Wie auch immer sich die Band in dem doch ehr provinziellen Münster vergnügt haben mag: Möglicherweise ging der Band gerade durch dieses Auslandsgastspiel der erste Plattenvertrag flöten. EMI, die Plattenfirma der Beatles, bot nämlich während ihrer Abwesenheit im Moat House Club in Birmingham örtlichen Bands die Möglichkeit zum Vorspielen.

Das Rennen machten damals

  • Danny King and the Royals,
  • Mike Sheridan and the Nightrides,
  • Carl and the Cheetahs,
  • Pat Wayne and the Rockin Jaymaen und
  • Keith Powel and the Valets ,

also durchwegs Gruppen, die aus heutiger Sicht, zumindest von Deutschland aus betrachtet, wesentlich weniger Spuren hinterlassen haben, als das, was aus den Ugly`s im Endeffekt wurde.

Aber vermutlich war das, was man aus Deutschland mitnahm, wervoller für die spätere Karriere aller Mitglieder als ein Plattenvertrag mit EMI zu diesem Zeitpunkt:

Ebenso wie für die Beatles die Gigs im Indra und im Starclub in Hamburg wurden diese Clubauftritte nämlich eine harter, aber gute Schule für die Musiker, die ihnen eine erhebliche Bühnensicherheit gaben.

Die Auftritte im Kon Tiki, in dem auch renommierte deutsche Bands wie die Lords und die Rattles auftraten, begannen um 21.00 Uhr und gingen bis in den frühen Morgen. Gespielt wurden Coverversionen, Rock`n`Roll, manchmal auch Skiffle. Der Club gehörte einem Deutschen.

Freitagabends seien aber immer britische Besatzungssoldaten gekommen, erzählt Steve und nennt diese „Squaddies“. Dabei spricht er dieses Wort so aus, dass man denkt, er singt gerade „Down in the Bunker„.

In Fulda seien dagegen viele GIs in den Club gekommen. Bei dieser Gelegenheit habe er auch erfahren, dass viele Deutsche die Rockmusik über den amerikanischen Soldatensender AFN kennengelernt hätten.

Gibbons ergänzt, dass man damals in manchen deutschen Städten noch Spuren von Straßenkämpfen aus den letzten Tagen des 2. Weltkriegs an den Häuserwänden gesehen hätte. Solche Kämpfe, fügt er hinzu, hätte es in Großbritannien nicht gegeben. Dabei schwingt Respekt vor der Wiederaufbauleistung in Deutschland mit.

Und noch etwas bewundert es an Deutschland, nämlich seine Rolle für die Entwicklung des internationalen Rocks. Dazu meint er:

Ohne Hamburg, hätten sich die Beatles nicht so entwickelt. Und ohne die Beatles hätte es vieles anderes nicht gegeben.

Offenbarung in Münster: Bob Dylan`s „The Freewheelin`“

In den Auftrittspausen im Kontiki in Münster legte ein amerikanischer DJ auch mal andere Musik auf. So auch das erst kurz davor in den USA erschienene zweite Album „The Freewheelin`“ von Bob Dylan, das, anders als der Erstling, überwiegend aus Eigenkompositionen bestand. Diese Songs wie Blowin`in the Wind, Girl from the North Country, Masters of War, A Hard Rain`s A Gonna Fall, Don`t Think Twice, It´s Allright und Bob Dylan`s Dream  beeinflussten Gibbons und sein  Songwriting nachhaltig.

Auftritt und After Show Party mit Jerry Lee Lewis

Wieder in Birmingham wurden die Ugly`s dann dadurch geadelt, dass sie diejeninge Birmingham-Band waren, die den Auftritt von Jerry Lee Lewis am 7. Dezember in der Birminghamer Town Hall eröffnete. Das Ganze war ein Charity Event, zu Gunsten eines Jüdischen Jugendclubs. Jerry Lee Lewis, auch „The Killer“ genannt, galt als menschlich schwierig. Deshalb war es umso überaschender, dass er sich bei der After Show Party umgänglich gab, sich ans Klavier setzte und zusammen mit den Ugly`s noch etliche Lieder zum Besten gab.

Das war der erste Auftritt von Steve Gibbons bei einem Charity Event mit einem der ganz Großen des Rock und des Rock`n`Roll. Weitere sollten folgen.

Die Singles der Ugly`s: Erste Erfolge, aber auch Flops

Der erste Streich: Wake Up My Mind: Eine psychedelische Eigenkomposition chartet „Down Under“ und inspiriert möglicherweise sogar die Beatles

Im Jahr 1965 hatte es dann endlich geklappt mit dem Plattenvertrag, ausgehandelt mit der Firma Pye und deren Talentscout Tony Hatch von ihrem Manager John Singer. Einem von vielen Managern, mit den denen Steve Gibbons im Laufe der Jahre zu tun haben sollte. (Und von dem man im Nachhinein sagen muss, dass sie in ihrer Branche nicht die Klasse erreicht haben, die Steve in seiner Sparte, der Musik,  erklommen hat. Dazu sogleich noch mehr.)

Die Single, die sie in dieser Besetzung aufnahmen, hatten Steve Gibbons, Jim Holden und Bob Burlison gemeinsam geschrieben. „Wake Up My Mind“ war ihr Titel.

Der sozialkritische Text zeigt wohl auch schon Einflüsse von Bob Dylan

Somewhere there’s hunger,

somewhere there’s a war

but I can do nothing

so I’ll just ignore

the cruelty around me,

pretending I’m blind

 And I’m having a new car …

but one of these days

I will wake up my mind

Last Minute Add On für die Aufnahme

Den besonderen Kick bekam sie aber durch die Instrumentierung. Diese war allerdings erst im letzten Moment vor der Aufnahme komplett. Steve streifte vor dem Aufnahmetermin noch etwas über den Bull Ring market und sah dabei eine überdimensionierte Mundharmonika.

Steve, der darunter litt, dass er – umgeben von Gitarristen, Bassisten und Schlagzeugern – keine „anerkanntes“ Instrument richtig spielen konnte (auch davon werden wir später noch hören), kaufte das Ding, weil es klang wie ein Akkordion. Und spielte es auf der Aufnahme.

Zuerst nur „Radio-Nirvana“ für die erste Single

Die Single verkaufte sich in Großbritannien nur schlecht, und auf Radio Luxemburg wurde sie nur einmal gespielt, und dann scheint es das gewesen zu sein. Verschwunden im Nirvana, wie viele Neuerscheinungen.

Jürgen Wanda führt das in seinem Buch (dort S. 25) auf die Plattenfirma Pye zurück:

Pye hatte eine merkwürdige Art der Vermarktung. Sie nahmen Hunderte von Bands unter Vertrag, taten aber nichts für sie. Und so kam die Single auch nicht in die Hitparade.

Die Ugly`s waren enttäuscht, aber das Leben ging weiter und die spielten auf einer Sommertour, bei der Steve kündigte das Lied jeweils als „our latest recording“ an. Eine Platte gemacht haben. Das ist doch schon was her!

Telegramm aus/wegen Australien

Auf einmal kam eine Telegramm: „Ihr seid in den Top Twenty in Australien“ (Es war wohl Platz 14 der Charts.)

Eine Single aus Birmingham, die in England keine Beachtung findet, aber in Australien die Charts stürmt?

Wie das ?

Hier gibt es, wie so oft in der Steve-Gibbons-Story, unterschiedliche Wahrnehmungen und Aussagen.

  • An manchen Stellen wird behauptet, dass der Umstand, dass die Schwester ihres Mangers Alan A. Freeman in Australien lebte und dort auch noch bei einer Radiostation arbeitete, sicher zu passe kam. (Aber hieß der Manager nicht Singer?)
  • Anderswo heißt es, dass Australien der bekannte Radiomoderator Bob Rogers das Lied zum Aufmacher seiner Frühstückssendung  gemacht hätte, so dass es kontinentweit bekannt wurde.

Roger hatte sich im australischen Radio schon vorher dadurch ausgezeichnet, dass er unbekannte Songs populär machte. Zuerst legte er in seiner Samstagsnachmittagsshow US-Schallplatten auf, die amerikanische Seeleute auf  den fünften Kontinent mitgebracht hatten. Im Jahr 1957 spielte er dann als ersten australischer DJ auf 2UE den Slim Dusty song Pub With No Beer, der daraufhin auf Platz 1 der Charts landete. Und 1964 Rogers begleitete er für 2SM die Beatles auf ihrer Europa-, Asien- und Australien-Tournee. So gesehen hätte man einen guten Ansatzpunkt gehabt, um sich durch weitere Aktionen in Australien zu positionieren.

Deshalb war die Band zuerst aus dem Häuschen, als sie von der Platzierung hörte. Die erste Single aufgenommen, und schon ein Top Twenty- Hit! Wo sollte das noch enden?

Schlechter Vertrag, unflexibles Management

Irgendwann stellten sie jedoch fest, dass der Hit „Down Under“ (zumindest für die Band), kein Geld abwarf. Steve erklärte das so:

Then we looked at the Pye contract. It was farthings here and farthings there

Farthing ist eine alte kleine britische Münzeinheit. Deshalb kann man den Satz vielleicht so übersetzen:

Und als wir in den Vertrag schauten, sahen wir, dass es nur ein paar Krümel da und dort gab.

In dieser Situation hätte man vielleicht durch Tourneen in Australien Geld verdienen können. Aber auch das wurde nicht versucht.

Einige machen auch das zögerliche Management, das die Zeichen der Zeit nicht erkannt, und keine Tour nach „Down Under“ organisiert hatte, dafür verantwortlich.

Sei es, wie es mag:  Die Single konnte sich auch in Neuseeland in den Charts platzieren. Und wirkt dort heute ab und zu noch nach:

Noch im Jahr 2011, also fast ein halbes Jahrhundert nach dieser Single schreibt das Neuseeländische Internetportal Elsewhere – The Magazine for curious people:

Unfortunately the band failed to capitalise on the interest and tour to that far end of the world.

Die Website macht allerdings auch kein Geheimnis daraus, dass es die Rückseite dieser Single, die in Neuseeland öfter im Radio gespielt wurde, für ehr dürftig hält:

Oddly enough the flipside of the socially aware Wake Up My Mind was the throwaway Ugly Blues which also gained them some radio play in New Zealand as a joke song.

Dann aber kommt sie zurück zur A-Seite und lässt anklingen, dass diese sogar die Beatles insperiert haben könnte:

But there was something more about Wake Up My Mind.

In October of the same year the Beatles recorded We Can Work it Out, a song with folk-references and also not dissimilar time changes.

Could the Beatles (somewhat stoned in this clip) have been among the few to have heard the Ugly’s song which had been released in June?

Hmmm.

Wir sagen:

The answer is blowing in the wind.

Und: Life is very short, and there’s no time for fussing and fighting, my friend.

Der zweite Streich: Von wegen „It’s Allright“ – Streik stoppt potentiellen Hit mit Cembalo-Begleitung

Weitere Singles folgten in der Zeit von 1965 bis 1967. Darunter die ebenfalls 1965 veröffentlichte zweite Single It’s Allright, mit interessanter Cembalo-Begleitung. Die Gruppe trat damit auch in der Fernsehsendung Ready Steady Go! auf. Mit diesem Lied kam man in den Charts des Piratensenders Radio Caroline auf Platz 3 und auf Platz 11 in den Fab 40 von Radio London.

In den  offiziellen britischen Hitparaden konnte man sich jedoch wiederum nicht platzieren, obwohl die Verkäufe gut anliefen.

Als die Bestellungen bei 800 Stück am Tag angekommen waren, kam es nämlich zu einem Streik beim Vertrieb, der dazu führte, dass keine Schallplatten mehr in die Läden ausgeliefert werden konnten.

Dem Song können Besucher von Steve Gibbons Band-Konzerten jedoch noch heute bei Konzerten begegnen. Die Band hat den Song nämlich später nochmals aufgenommen und spielt ihn heute noch ab und an in Konzerten, wobei das Cembalo durch eine Geige ersetzt wird.

Der dritte Streich: Keine Good Idear: „A quiet explosion“ nur als B-Seite

Bei der nächsten Single war man vermutlich selbst mit daran schuld, dass ihr größerer Erfolg versagt blieb, obwohl man sie am 5. Februar 1966 in der TV-Sendung „Thank You Lucky Star“ promoten konnte.

Auf deren A-Seite findet sich nämlich das Liebeslied „A Good Idear“, im dem ein reumütiger Steve Gibbons seine mangelnde Ernsthaftigkeit in Herzensdingen beklagt. Das musikalisch und textlich wesentlich interessantere, sozialkritische „A quiet explosion“ landete dagegen nur auf der B-Seite.

John R. Woodhouse hält dies – in Anspielung auf den Titel des Songs der A-Seite, für keine sehr gute Idee. Wörtlich schreibt er

The Ugly’s third single for PYE featured Steve Gibbons playing a ‚kazoo‘ on the A-side titled ‚A Good Idea‘ which in retrospect may not have been a good idea as the single’s B-side is really the stand-out track.

Der Text des Liedes könnte übrigens auch aus der Gegenwart mit ihren klimawandelbedingten Ernteausfällen in Teilen der Welt geprägt ist, stammen:

In other lands where starvation is rife
Beggars hands are outstretched all their life
But beggars can’t be choosers so their destiny is chosen
Each helpless voice is a quiet explosion!

War has been surpassed, peace descends at last
But the harvest’s fast, growing small…
A quiet explosion bomb’s about to fall!

Der vierte Streich: End Of The Season: Auch Kinks-Cover bringt nicht in die Hitparade

Den Eigenkompositionen wurde durchwegs eine exzellente Qualität bescheinigt. Aber was hilft das, wenn es sich nicht in Plattenverkäufen niederschlägt?

Deshalb versuchte man es mit einer Coverversion. Dabei war es sicher kein Zufall, dass man den Song einer sehr britischen Band, die ebenfalls Episoden aus dem Leben der britischen working und middle class zum Thema ihrer Songs machte, wählte.

Aber auch das brachte keine Charterfolge in der Heimat.

Auch „End Of The Season“, die Cover-Version eines Liedes von Ray Davies von den Kinks konnte sich nicht in den UK-Charts platzieren, obwohl man wiederum im TV damit auftreten konnte und das Lied auch von den Piratensendern häufig gespielt wurde.

Mit dieser Single endete auch der Plattenvertrag mit Pye. (Heute fast unvorstellbar: Vier Singles – und damit vier Chancen auf einen Hit- räumten damals Plattenfirmen neuen Bands ein!)

Der fünfte Streich: „And the Squire blow his horn“ –Frivoles gegen Fuchsjagd

Der nächste Plattenvertrag hätte der große Wurf sein können. Er wurde nämlich mit CBS, einer der ganz großen Plattenfirmen mit weltumspannenden Vertriebsnetz, abgeschlossen.

Aber auch die dort erschienene letzte Single der Uglys „And the Squire blow his horn“. schaffte es nicht in die Hitparaden; Bei den Live-Konzerten der Ugly`s war es, dank Steve Gibbons jedochc einer der Höhepunkte, da Steve dabei eine gewaltige Trompete blies. Dave Morgan, eben von Mayfair Set zu den Ugly`s gewechselt, erinnert das so:

For one song he (Steve) came on his enormous long brass instrument. He blow down it with his characteristic show of pomp an circumstance to he song „And the Squire Blew His Horn“. All this was quite a novelty to me at the time!“

Das leicht frivolen Lied ist eine Variation des Themas „Ein Bett im Kornfeld“. Während der Adel sich bei einer Treibjagd zerstreut, lässt ein Liebepaar aus dem einfachen Volke seinen Trieben im Feld freien Lauf.

Drei Mal dürfen Sie raten, wer mehr Spass hat!

Auch dieses Lied verdankt seine besondere akkustische Note übrigens Steves instrumentalen Minderwertigkeitskomplex.

Die Geschichte zu dem Jagdhorn ähnelt frappierend derjenigen der Riesenharmonika bei Wake Up My Mind.

In my frustration at not being able to play an instrument, I literally stumbled across a hunting horn in a junk shop. I`d played bugles in the Boys`Brigade so I was halfway there/In meinem Frust, dass ich kein Instrument spielen konnte stolperte ich in einem Ramaschladen über ein Jagdhorn. In der Boys`Brigade hatte ich Horn gespielt, das war schon die halbe Miete.

Die Bescheidenheit über seine eigenen instrumentalen Fähigkeiten machte sich auch Jahrzehnte später noch bemerkbar, als er in einem Interview zu seinem Gitarrenspiel meinte:

I am just a strummer, sourrounded by great musicians

Der (nicht erschienene) sechste Streich: „I’ve Seen The Lighterblickt nicht das Licht der Plattenläden

Irgendwann im Jahr 1968 war Gibbons der einzige verbliebene Originale „Hässliche“ . Das letzte line up mit ihm nahm noch eine Single „I’ve Seen The Light“ auf, die jedoch nie offiziell veröffentlicht wurde, von der aber einige Promoexemplare hergestellt wurden.

Heute sind Vinyls dieses Liedes deshalb ein gesuchtes Sammlerstück. Die Kopie einer Demoversion dieses Songs soll dem glücklichen Besitzer kürzlich 1.200 britische Pfund eingebracht haben.

The Ugly`s On Tour bringen Steve Gibbons zuerst in die Arrestzelle und dann – auf den zweiten Anlauf – nach Skandinavien und nach Spanien

Die Ugly`s traten auch im Ausland auf.

Knast in Finnland

Heute hat Steve Gibbons vor allem drei „Fanhochburgen“: Eine in seinem Heimatland, die zweite in Deutschland und die dritte in Skandinavien. Dorthin kam er das erste Mal mit den Ugly`s. Allerdings erst beim zweiten Anlauf, als man mit der Birminghamer Band The Renegades, die in Finnland an Popularität mit den Beatles konkurrierte (und deren Gitarrist Kim Brown sogar nach Finnland emigrierte), auf Tournee ging.

Als man jedoch im Mai 1966 nach Finnland zu einer Tournee einreisen wollte, wurde man verhaftet und das Equipment beschlagnahmt. Nach eineinhalb Tagen im Gefängnis wurde man zurückgeschickt, ohne dass man je den Grund der Verhaftung erfahren hätte.

Die Ugly`s waren übrigens nicht die einzige Brum Band, die nur nach Schwierigkeiten bei einem Auslandsgastspiel ankammen. Die Blaisers, zu denen Dave Morgan gehörte, der 1967 später zu den Ugly`s stossen sollte, hatten ein Gastspiel in Hannover ergattert, zu dem sie mit einem ehemaligen Ambulanzwagen als Bandfahrzeug anreisen wollten. Deswegen wurde ihnen nach der Überfahrt von Calais von der französischen Grenzpolizei die Einreise verboten und man musste mit demselben Schiff, mit dem man gekommen war, wieder zurück nach Dover. (Dort kaufte man Tickets für die Fähre, die am nächsten Tag nach Ostende, wo die belgischen Behörden bei der Einreise keine Probleme machten.)

Stille Tage, laute Nächte an der Costa Del Sol

Auch ein anderer „Auslandseinsatz“ der Ugly`s war nicht ohne Haken und Ösen.

Im August 1967, Dave Morgan hatte inzwischen Dan Pegg am Bass abgelöst, bekam  man ein einmonatiges Engagement im Top Ten Club in Torremolinos an der Costa Del Sol. Der Gitarrist Willie Hammond konnte jedoch nicht mit. Zu den Gründen gibt es zwei verschiedene Versionen. Die einen berichten, er hätte seinen Pass nicht rechtzeitig beantragt, die anderen behaupten, seine Mutter hätte ihm die Auslandsreise verboten. Dies führte nicht nur dazu, dass man mit Steve Gibbons, Jim Holden, Jimmy O`Neil und Dave Morgan in verkleinerter Besetzung antreten musste, sondern Dave Morgan musste auch – das einzige Mal in seiner Karriere – die Leadgitarre übernehmen.

Wie wir an anderer Stelle noch berichten werden, sollte Steve Gibbons sollte in seiner Karriere noch mindestens zweimal mit einem kruzfristigen „Umbau“ seiner Band wegen des Ausfalls eines Mitglieds bei einer Auslandstournee konfrontiert werden. Vor einer Schweden-Tournee setzte nämlich ein Zigarettenautomat (sic!) Gitarrist Bob Wilson außer Gefecht und 1982 verließ Trevor Burton am Vorabend vor der zweiten DDR-Tournee die Band.

Aber zurück zu den Ugly`s im Spanien der 1960-er: Der Club in dem man dort spielte,war in den heißen Sommernächten vollgepackt und heiß. Was sich auf Gibbons Stimme schlug. Deshalb verbrachte er die Tage schweigend, um seine Stimmbänder zu schonen.

Das Repertoire hatte man bei dieser Gelegenheit aktualisiert. Neben Steve Wonder Songs hatte man auf die Schnelle auch Nummern aus dem soeben erschienenen Sgt. Pepper Album der Beatles einstudiert.

Häufige Personalwechsel

Dave Pegg: Zusammenarbeit von den Ugly`s bis zum Dylan Project

Die Besetzung von The Uglys wechselte häufig.

Einer dieser Personalwechsel war besonders bedeutend: 1966 verliessen Bob Burnett, Gitarre, und John Hustwayte, Bass, die Band. Zuerst suchte man bei einem Vorspielen im Carlton in Erdington eine neuen Gitaristen. Und fand zwei. Wishbone Ash wurden in einer vergleichbaren Situation zu den Vorreitern des Twin Guitar Stils, weil sie beide Kanditaten (Andy Powell und Ted Turner) als Gitarristen aufnahmen.

Bei den Ugly`s führte dies dazu, dass einer der Kandidaten das Instrumente wechselte, um aufgenommen zu werden. Und dadurch später in einer weiteren Band eine große Karriere feierte.

Den Job an den sechs Saiten bekam nämlich Roger Hill. Damit wäre Dave Pegg, der sich auch beworben hatte,  eigentlich draußen gewesen. Aber Steve fragte ihn, ob er nicht den Bass übernehmen würde. Was er tatsächlich tat, obwohl er sich erst einen kaufen musste. (Der Einfachheit halber, kaufte er dem ausscheidenden John Hustwayte dessen Fender Precision ab.)

Ach ja, und Bassspielen musste er auch erst lernen. Was ihm offensichtlich nicht schwer viel. Später heuerte er als Bassist bei Fairport Convention an. Später bediente er dann dasselbe Instrument eine Zeit lang bei Jethro Tull. Er selbst sagt dazu:

The decision to become a bass player … completely chanced my working life, and so much for the better

Pegg schrieb mit Gibbons einige Songs, u.a. auch den Song „Can´t See For Lookin“, den die Bobcats, eine Gruppe von vierzehn- und fünfzehnjährigen Jungens, die mit diesem Lied auch in der David Frost Show gastierten, einspielten. Die Zusammenarbeit dauert auch Jahrzehnte später noch an:  Noch heute tritt Dave Pegg mit Steve Gibbons gemeinsam im Dylan Project auf.

Ex-Bandkollegen machen Karriere

Wie Pegg spielten einige Mitglieder, die die Ugly`s verliessen, später bei wesentlich bekannteren Bands. So  Jimmy O’Neil der bei den The Mindbenders ( The Game of Love und „A Groovy Kind of Love„) anheuerte und Richard Tandy und Dave Morgan, die bei Electric Light Orchestra  zu internationalem Erfolg kamen. Auch Mitglieder der Nachfolgeband „The Balls“  wechselten Mitglieder zu wesentlich erfolgreicheren Band, Allen voran  Sänger und Gitarrist Denny Laine (früher Moody Blues, später Wings).

Damit ist auch ein „Markenzeichen“ der Karriere von Gibbons angesprochen: Viele seiner Weggefährten waren kommerziell wesentlich erfolgreicher als er. Die meisten davon aber nur „einen Sommer lang“ und als sideman (Bestes Beispiel: Denny Lane, dessen Schatten neben dem seines Bandleaders Paul McCartney doch überschaubar ist), während Gibbons nach mehr als 60 Jahren noch sein Stammpublikum als Kopf seiner eigenen Truppe besitzt.

Dave Morgans Weg zu den Ugly`s: Vom Manager-Regen in die Manager-Traufe

In Brimingham gab es damals hunderte von Bands und ständig wechselten Musiker vo einer zur anderen. Die Auswahl zwischen zwei der bedeutensten, nämlich The Move und den Ugly`s hatte der Bassist und Songwriter Dave Morgan. Diesem war die Nachfolge von Trevor Burton bei The Move angeboten worden und gleichzeitig diejenige von Dan Pegg bei den Ugly`s.

Was tun?

The Move waren zweifelsohne die bekanntere Band und hatten schon Hits gehabt. Problematisch war bei dieser Band jedoch das Mangment. In der Vergangenheit war sie von dem eigenwilligen Tony Secunda gemanagt worden, der dafür bekannt war, dass er Konflikten nicht unbedingt aus dem Weg ging und auch gerne provozierte,

Paradebeispiel war eine eher ungelenk gezeichnete Postkarte, auf der der amtierenden Premierminister Harold Wilson nackt von seiner Ehefrau bei einem Techtelmechtel mit seiner Sekretärin entdeckt wurde. Ausserdem wurde er darauf als „Disgusting, Depraved, Despicable” (Ekelhaft, verdorben, verabscheuungswürdig“) bezeichnet.

Verschickt wurde diese Postkarte von Secunda ohne Wissen der Band, um den Verkauf der neuesten Move-Single anzukurbeln „Flowers in the Rain“ anzukurbeln. Dieses Lied, das der erste Song war, mit dem der neue Radiosender BBC Radio 1 sein Programm eröffnete, landete in der britischen Hitparade auf Platz 2. Ob die Skandalpostkarte dabei geholfen hatte, lässt sich nur mutmassen.

Der Premierminister jedenfalls verklagte nicht nur den Manager erfolgreich, sondern auch die Band. Im Ergebnis musste diese alle Einnahmen aus dem Song an eine wohltätige Stiftung abführen. The Move hatten also einen Hit, an dem sie nichts verdienten und einem großen Imageschaden. Dies führte zur Trennung von dem Manager.

Sein Nachfolger Don Arden (heute u.a. bekannt als der Schwiervater von Ozzy Osborne) hatte auch nicht unbedingt einen besseren Ruf. Von ihm ging das Gerücht, dass er seine Künstler so lange am ausgestreckten Arm aus dem geöffnete Fenster halten würde, bis sie den Vertrag so unterschrieben, wie dies Arden haben wollte.

Auf solche Managergehabe hatte Dave Morgan keine Lust. Außerdem erschienen ihm Ugly`s als  „Steve`s easy-going world“ und er nahm an, dass seine Songs besser zu dieser Band als zu The Move passen würden. Deshalb entschied sich für The Ugly`s als neue Band. Und musste, kaum dass er beigetreten war, erfahren, dass diese einen neuen Manager hatte. Kaum, dass er beigetreten war, eröffnete ihm Steve nämlich, dass man einen neuen Manager habe. Und der hieße Tony Secunda.

Dazu Morgan:

I had escaped the net of Don Arden to be caught in the snare of Tony Secinda himself a legend with his agresive confrontation style……. But by now I couldn`t get out…

Die unguten Vorahnungen von Dave Morgan waren berechtigt. Es sollte jedoch vor allem Steve Gibbons sein, der später in der Schlinge (snare) von Secunda zappeln sollte.

Selbst geschasstes Bandmitglied findet nur gute Worte

Das vorletzte line up der Ugly`s bestand, außer aus Steve,  aus dem Schlagzeuger Keith Smart, dem Multiinstrumentalisten Richard Tandy, dem Gitarristen Willi Hammond und dem Bassisten Dave Morgan, der  auch sang.

Insgesamt war daas Resumee der Bandmitglieder über die Qualität der Ugly`s opsoitiv. Jürgen Wanda zitiert Steve Gibbons in seinem Buch (dort S. 26) so:

Wenn ich zurückblicke, waren wir eine originelle Band. Wir hatten kleinere Hits, aber wir lösten uns auf, weil wir nicht wußten, in welche Richtung wir uns bewegen sollten.

Und auch Hammond , der, wie wir gleich noch sehen werden, aus der Band geschmissen wurde, schwärmte noch Jahrzehnte später von dieser Zusammenarbeit

This was a brilliant line-up. Frightenly tight

Dieser Satz ist vielleicht überraschend, wenn man weiß, dass Hammond den Grund dafür, dass er in die Band aufgenommen wurde, darin sah, dass er am Ende des ersten gemeinsamen Probe-Gigs seine Gibson Les Paul in Stücke geschlagen hatte. Dies erklärt er so:

We were all into that Pete Townsend/pop art destruction thing by then

„Brilliant line-up“ her, „Pete Townsend/pop art destruction thing“ her: Das Ende der Ugly´s stand bevor.

Wann spielten Steve Gibbons und Trevor Burton das erste Mal in derselben Band ?

Über einen Personalwechsel gibt es auch in (un)gewöhnlich gut informierten Kreisen verschiedene Versionen.

Dabei geht es um die Frage, ob  Trevor Burton, der über Jahre hinweg ein wichtiger musikalischer Partner von Steve Gibbons werden sollte, noch in der Endphase der Band Mitglied der Ugly`s wurde, oder erst  in The Balls mit Gibbons zusammen spielte:

Laurie Hornsby schreibt in seinem Buch „Brum Rocked On“ (S. 252), dass Trevor Burton in  den letzten Tagen der Ugly`s deren Mitglied geworden wäre

„Then someone suggested to Willie (Hammond, dem Gitaristen der Ugly`s), that he`d be better off elsewhere, and with Trevor Burton conveniently waiting in the wings, Trevor became an Ugly,“ explained Keith Smart wryly

Die Website Brumbeat.net schreibt dagegen:

The Move’s original manager Tony Secunda had an idea to form a new Birmingham group to be fronted by former Move guitarist Trevor Burton. To this end, Secunda proposed a deal with Steve Gibbons for control of The Uglys (excluding their name and guitarist Will Hammond) and agreed to finance them.

Und Will Hammond erinnert sich in ähnlicher Weise:

„A few months after we recorded the single at Advision, Steve Gibbons and Dave Morgan turned up on my doorstep. They told me that they were all leaving and joining up with Trevor Burton to form a new band!

Und auch im „Stammbaum“ der Birmingham-Szene aus Jürgen Wandas Buch gibt es keine Formation der Ugly`s mit Trevor Burton.

The Balls

„Die Bälle“: Zweikämpfe ohne Tore

Gesichert ist jedoch, dass

  • The Balls zu Beginn überwiegend aus Mitgliedern der Ugly`s (nur der eben erwähnte Hammond sollte bei der Neugründung aussen vorbleiben), bestand,
  • dann zu einem Personalkarussel wurde und
  • schließlich einem Berg ähnelte, der zittert, um dann doch nur ein Mäuslein zu gebären.

Damit wären wir beim letzten Unterkapitel der 1960er im Rahmen der Steve-Gibbons- Story – den Balls.

Das ist gleichzeitig (zusammen mit den Hintergründen der DDR-Touren in den frühen 1980ern) das am schwersten zu rekonstruiernde Kapitel, da hier Berichte und Erinnerungen mitunter ziemlich auseinander gehen.

Nochmals zu Hammond: Im Endeffekt scheint ihm der Band-Rauswurf nicht geschadet zu haben. Er ging danach nämlich zur Air Force und machte hinterher Karriere im Auswärtigen Dienst Ihrer Majestät,

Deshalb brauchen wir erst einmal eine Verschnaufpause und liefern die Geschichte der Balls nach.

Schauen Sie wieder auf dieser Homepage rein. Es lohnt sich!

Demnächst lesen sie hier von einem ehrgeizigen Managerm, endlosen Sessions im Stall und vielem anderem.

Extra, Extra! Read all about it.

Hier geht es weiter zu den  Informationen zu den 1970-ern.

 

 

 

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