Die aktuelle Reportage:

Archaeopderyx, Bambi & Rock`n`Roll

Unterwegs mit der British Rock & Blues Explosion featuring Steve Gibbons und andere

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Die etwas anderen „50 Jahre Woodstock“-Konzerte

Aus Anlass des 50. Jährigen Jubiläums des Woodstock-Festivals fanden viele Konzerte statt, bei denen Songs von damals möglichst original nachgespielt wurden.

Die Konzerte der British Rock & Blues Explosion, die im November unter dem Motto „Woodstock meets Bavaria“ stattfanden, waren anders.

Hier waren die Songs aus dem Katalog der Woodstock-Interpreten (und einige andere) der Ausgangspunkt für die eigenen Ideen aller beteiligten Musiker. Die Songs wurden dabei zu so etwas wie die Zeichnungen in Kindermalbüchern:  Leitlinien, die viele Freiräume lassen, sie mit verschiedenen Farben zu füllen.

On The Road mit Steve Gibbons & Co.

Wir hatten Gelegenheit, die Band zwei Tage bei dieser Tournee zu begleiten.

Am zweiten Tag des deutschen Teils der Tournee (die weiter nach Slowenien führte), treffen wir in Ingolstadt einen gutgelaunten Steve Gibbons, der vom Auftaktkonzert berichtet.

Dieses fand im ausverkauften Club „Diagonal“ statt. Publikum und Musiker scheinen eine gute Zeit gehabt zu haben. Schon bei dieser Gelegenheit, bei der Gibbons nicht mit Komplimenten für seine Mitmusiker und den Promoter geizte, wurde deutlich, dass hier Musiker gemeinsame Sache machten, die einander achten und Spaß haben, miteinander aufzutreten. Das wird man die gesamten Tage auch jenseits der Bühne merken.

Rustikale Ambiente am zweiten Abend

Der Auftritt am zweiten Abend sollte in einem anderen Umfeld stattfinden. Er fand im niederbayerischen Abensberg statt, also in einem ehr ländlichen Ambiente. Dieser Umstand wurde durch den Veranstaltungsort unterstrichen: Nicht nur der Name („Weißbierstadel“) betonte diese rustikale Note, sondern auch die ganz in Holz gehaltene Inneneinrichtung und die landwirtschaftlichen Geräte bis hin zu hölzernen Heuwägen, die von der Decke hingen.

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Die Tanzfläche vor der Bühne ließ erkennen, dass hier normalerweise an den Wochenende die Partnersuche zur Musik heimischer Tanzcombos angesagt ist.

Die Band lässt sich dadurch nicht verdrießen und   genießt erst einmal das Catering: Wildgulasch (der Koch behauptet, er habe es selbst geschossen – und man nimmt es ihm ohne weiteres ab), je nach Wahl mit Kartoffel- oder Semmel(n)knödel(n) – die hier Brezelknödel heißen. Irgendeiner der Musiker stellt fest, dass man jetzt vermutlich Bambi essen würde. Keinem verdirbt es den Appetit und den Spruch wird man noch öfter hören an diesem Abend.

„Die Igel“ als Vorgruppe

Kurz nachdem man das Gulasch  aus Bambi. Reh, Hirsch oder vielleicht auch Hase verzehrt hat, fängt die lokale Vorgruppe an. Sie heißen The Hedehogs (nicht zu verwechseln mit den gleichnamigen Bands aus Dänemark oder China.

„Hedgehog“ heißt Igel und die Incredible String Band, die ebenfalls in Woodstock auftrat, hat einen Hedgehog Song geschrieben. Das scheint aber eher Zufall zu sein, da die niederbayerischen Igel vor allem Material aus der Vorwoodstock-Zeit zum besten geben. Die Tanzfläche füllt sich bei dem Crowd Pleaser „The Last Time“ zunehmend. Fast wartet man darauf, dass in der nächsten Musikrunde Slow Fox gespielt wird.

Was danach im ersten Teil des Sets der British Blues & Rock Explosion kommen sollte, hätte dagegen besser in einen kleinen Bluesrock- oder Jazzclub gepasst als in einen „Eventstadel“. Es war also spannend, wie der Abend weitergehen würde.

Aber der Reihe nach! Oder besser: Von Anfang an. Und damit zu der Frage, wie diese erlesene Mischung von Musikern, die sich British Rock & Blues Explosion nennt, überhaupt dazu kam, hier zusammen zu spielen-

Ray Frick: Die Idee und der Mann hinter dem Projekt

Wie das originale Woodstock beginnt die Geschichte dieser Konzerte nicht mit den Musikern, sondern mit einem Veranstalter, der eine Idee hatte.

In Woodstock waren das Artie Kornfeld und Michael Lang . Die Idee für die Woodstock meets Bavaria-Konzerte reifte dagegen im Kopf von Ray Frick, trotz seines angloamerikanisch klingenden Namens bodenständiger Musiker und Konzertveranstalter aus Niederbayern, der für seine kulturellen Aktivitäten schon mit einem Kulturpreis ausgezeichnet wurde und außerdem auch über reiche Erfahrung als Live-Musiker und Konzertveranstalter auch auf dem Balkan verfügte, heran.

Seine Idee war es, dass einen Band aus versierten Musikern Songs aus dem Woodstockreportoire und der damaligen Ära neues Leben einhauchen sollte.

Die Betonung liegt dabei auf „neu“.  Abziehbilder waren hier offensichtlich nicht gewünscht. Trotzdem war es natürlich ein von Vorteil, dass die Musiker die Stücke nicht nur kannten, sondern manche davon sogar einen Teil des eigenen Live-Repertoires bilden.

Pete „Sarge“ Frampton beispielsweise spielt mit seiner Band regelmäßig Songs von Crosby,  Stills, Nash & Young.

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Und Steve Gibbons ist mit dem Repertoire von Bob Dylan, der zwar nicht selbst in Woodstock auftrat, dessen Songs aber dort von verschiedenen Interpreten aufgeführt wurden, seit Jahrzehnten vertraut.

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Bereits daran wird deutlich, dass die Auswahl vor allem inhaltliche Gründe hatte. Deshalb dürfte es auch nicht verwundern, dass sich in der Auswahl auch auf den ersten Blick scheinbar überraschendes findet wie der Akkordeonspieler Dackel“ Hirmer,

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der „Freedom“, den auf der Bühne in Woodstock spontan entstandene Signatursong von Richie Heavens, im Repertoire hat, und stimmlich auch Joe Cocker-Nummern bewältigen kann.

Die weiteren Mitstreiter waren:

George Glover (Ex-Climax Blues Band) an den keyboards,

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Frederico Bozas am Bass (Mitglied der Band der John Leee Hooker Tochter Zakiya Hooker)F Bozo.JPG

und am Schlagzeug Tom Diewock (Jazzförderpreisträger und Schlagzeuger bei Blues Hunt).

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Da die meisten dieser Musiker auch Gesangsparts übernahmen, war auch im vokalen Bereich für Vielfalt gesorgt.

Weißbierstadel in Abensberg

Eine interessante Mischung von Musikern und ein interessantes Konzept für Veranstaltungsorte, die von Connaisseuren frequentiert werden, bei denen aber vermutlich der Woodstock-Slogan weniger gezogen hätte.

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Es fragte sich aber, ob das Konzept im Weißbierstadel aufgehen würde?

Junges Talent spielt Hendrix  

Den Auftakt machte dort, nach Vorgruppe und Umbaupause,   ein vorher nicht angekündigter Gast. Fabian Daniel, ein junger Gitarrist aus der Gegend, der die Woodstockreise mit Star“ Spangeled Banner“ a la Hendrix einläutet.

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Später bei „Hey Joe“ sollte er nochmals dazu kommen, wobei Sarge Frampton seinem um Jahrzehnte jüngeren Kollegen viel Raum überließ.

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Generationenübergreifendes Teamwork war also angesagt.

Querschnitt durch das Woodstock-Repertoire

Das Set der British Rock & Blues Explosion begann – noch ohne Steve Gibbons und das niederbayerische Add-On „Dackel“ Hirmer – mit dem Song „Woodstock“. Den hat Joni Mitchell nach dem Festival geschrieben. Auch Crosby Stills Nash & Young haben ihn aufgenommen. Mit Peter „Sarge“ Frampton an Stimme und Leadgitarre verliert der Song die wehleidige Sentimentalität, die er in der Originalversion hat, und gewinnt auch gegenüber der Fassung von C,S,N & Y an Stärke und Richtung.

Ähnlich konsequent geht es weiter mit packenden Versionen von „Almost Cut My Hair“, „You Can´t Do that“ (die Beatles-Komposition, die hier anfangs leichtfüßig jazzig und swingig daher kommt, dann aber rockig wird, wurde in Woodstock nicht gespielt) „Let´s Get Stoned“ (eine Cocker-Nummer) „Love the One Your with“ (C,S,N & Y) und „Evil Ways“ (Santana). Die Vocals übernahm dabei jeweils das Bandmitglied, zu dessen Favoriten der Song gehörte.

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Bereits jetzt wird deutlich, dass die Band keinesfalls bloße Coverversionen bekannter Songs bieten möchte, sondern den altbekannten Songs neue Facetten abgewinnt, wobei Musiker verschiedener Generationen einander Platz zur Entfaltung einräumen, um ein gemeinsames Ganzes zu schaffen.

Am besten lässt sich dieser Ansatz wohl mit dem Slogan „Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern das Weitertragen des Feuers“ umschreiben.

Abensberg wird New Orleans

Das Abensberger Publikum hört interessiert zu und applaudiert ordentlich. Ganz scheint der Funke jedoch bis dahin noch nicht übergesprungen zu sein.

Das wird anders als Dackel Hirmer die Band verstärkt. Er ist hier bekannt und hat deshalb eine große Fangemeinde im Weißbierstadel. „Freedom“ (Richie Heavens) und „Going up the Country“ (Canned Heat)  gehören zu seinem Standardrepertoire und sind gleichzeitig bekannt, weil sie es auf die Dreifach-LP mit dem Konzertmittschnitt geschafft haben.Gibbons Abens Dacke (2).jpg

Die Stimmung steigt merklich. Nun wird das beschauliche Abensberg zu New Orleans!

Gibbons spielt „The Band“

Als Ray Frick dann Steve Gibbons ankündigt, brandet Beifall auf und es tut der Stimmung keinen Abbruch, dass der Altmeister zuerst einmal nicht anfangen kann, weil seine Gitarre ohne Kabel auf die Bühne gestellt wurde.

Als er dann in die Tasten greift, kommt noch mehr Bewegung in den Stadel und die Tanzfläche fühlt sich zunehmend.

Gibbons beginnt mit „Up on Cripple Creek“ von The Band (die in Woodstock auftraten, aber ihren Auftritt nicht auf der Live-Platte hören wollten, da sie nicht von seiner Qualität nicht überzeugt waren), um später durch einen Mix aus Dylan-Songs, die in Woodstock von verschiedenen Interpreten (Joan Baez, Arlo Guthrie und Jimy Hendrix) zu hören waren, und andere Lieder ohne direkten Bezug zu Woodstock.

Sein eigener Hit „Tulane“, eine Chuck Berry-Komposition aus den frühen 1970ern, die hier mit beim Finale mit einem Versatzstück von „Johnny B. Goode“ angereichter wird, ist ebenso darunter wie Twist and Shout. Das geht zwar über das Veranstaltungsmotto hinaus, bringt aber den Stadel zum Kochen.

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Der guten Stimmung tut es auch keinen Abbruch, dass Gibbons, der dafür bekannt ist, bei seinen Konzerten spontan Songs aus seinem enzyklopädischen Wissensschatz aus dem Hut zu ziehen, eine offensichtlich für alle anderen Beteiligten überaschende Reggae-Version von Kris Kristoffersonss „Help Me Make It Throught The Night“ anzustimmen, bei der er noch dazu einige Hänger beim Text, die er mit ad hoc-Textstücken füllt, hat.

Improvisation, Augenzwinkern und Spaß zählen in diesem Moment mehr als Perfektion!

Stimmlicher Drahtseilakt

Beim fulminanten Finale steht dann der Lokalmatador „Dackel“ Hirmer wieder im Mittelpunkt. „With A Little Help From My Friends“ steht auf dem Programm, in der Joe Cocker Version, die so eine Art Annapurna  des Rockgesangs darstellt. Das ist einer der weltweit gefährlichsten Berge. Auf drei erfolgreiche Besteigungen kommt dort ein Todesfall. Beim Gesangspart dieses Liedes ist die Absturzquote wohl noch erheblich höher. Hirmer schreckt das nicht und er meistert die Tiefen und Höhen des Songs, wobei man ihm allerdings die körperliche Anstrengung ansieht.

Tatkräftig wird er dabei von der gesamten Band und dem Publikum als Background-Chor unterstützt.

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Nach dieser Nummer sind nicht nur Hirmer und die Band schweißgebadet, sondern auch das Publikum, das reichlich Applaus für die Band spendet.

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Smalltalk über „Strats“, DDR-Konzerte und Promoter

Am nächsten Tag kann es die Band langsam angehen lassen. Clover, Frampton und Gibbons fachsimpeln nach dem Frühstück und erinnern sich an Auftrittsorte und Konzertveranstalter. Längere Zeit spricht man auch über Erfahrungen mit Konzerten in der damaligen DDR und Erlebnissen auf der Fahrt durch die DDR unterwegs zu Konzerten in Westberlin.

Länger ist auch von der magischen Ausstrahlung, die Fender Stratocaster in den 1950ern und 1960ern besaßen und den damaligen, für die meisten unbezahlbaren Preisen für dieses Objekt der Begierde die Rede. Heute scheint das Verhältnis zum „Strat“ weiniger emotional zu sein. Steve Gibbons trägt seine originale Fender in einem Gig Bag mit der Aufschrift „Ibanez“. Aber vielleicht will er ja so die Gefahr, dass das gute Teil im Inneren gestohlen wird, senken?

Kurz vor Mittag steht dann der Van vor der Tür und es geht gemächlich im Van nach Sonthofen. „Dackel“ Hirmer wird nicht auftreten können. Die Band überlegt kurz, wie man die beiden Songs, bei denen dieser am Vorabend gefeatured wurde („Freedom“ und „With A Little Help From My Friends) wurde, auf die andren Musiker verteilen könnte.  Richtig beunruhigt wirkt keiner. Profis auf Tour eben.

 Rock-Dinosauriere besuchen ihre Kollegen

In Solnhofen angekommen lädt das Bürgermeisteramt erst einmal zu Umtrunk, bayerischer Brotzeit und einem Museumrundgang, der tief in die Vergangenheit führen soll. Darauf deutet schon das Modell eines T-Rex, der vor dem Rathaus steht und vor dem sich alle unter dem Motto „Rock-Dinosaurier“ zum Gruppenbild aufstellen.

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Steve als dem ältesten wird noch die Ehre eines Einzelbildes zusammen mit diesem mit 150 Millionen Jahren doch etwas älteren Wesen zuteil.

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Der Grund für das Modell vor dem Rathaus ist schnell erklärt: In Solnhofen wurde der Archäopteryx gefunden. Deshalb gibt es hier auch ein Museum, dass anhand zahlreicher hier gefundener Fossilien die faszinierende Lebenswelt im erdgeschichtlichen Jura Jahren dokumentiert

Stones und Muddy Waters im Museum

Die Privatführung im eigens geöffneten Museum wird von den Musikern gerne angenommen. Und es werden weitere  Parallelen zur Rockmusik gefunden. Die Gemeinde Solnhofen mach als weltbekannter Fundort von Versteinerungen mit dem Slogan „Die Welt in Stein“ Werbung. Da man Englisch spricht ist man gleich bei den „Stones“. Und da Ammoniten, ausgestorbenen Kopffüßler in Schneckenform, meist rund sind und deshalb so aussehen, als ob sie gut rollen könnten, fällt auch das Wort „Rolling“.

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Die Solnhofer „Rolling Stones“

Und weil viele Fossilien dadurch entstanden, dass weil tote Urwelttiere in „muddy waters“ vom Schlamm eingeschlossen wurden, ist auch diese Bluesgröße nicht weit.

Besonderes Interesse findet eine Karte, die mit Morphing-Effekten die Veränderungen des europäischen Kontinents im Laufe der Jahrmillionen zeigt. Aus ihr geht hervor, dass Großbritannien vor (erdgeschichtlich gesehen) gar nicht so langer Zeit ein fester Bestandteil des Kontinents war.

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„Das werde ich in die Sozialen Medien geben“, meint einer der Musiker, während er mit dem Handy filmt „als Argument gegen den Brexit“

 Kaum Zeit für „Hausaufgaben“

Die Band ist von dem Museum und den Erläuterungen so angetan, dass man dort mehr Zeit verbringt als geplant. Ray Frick waltet deshalb wieder seines Amtes als grantelnder, aber gleichzeitig fürsorglicher Kümmerer, der das große Ganze im Blick hat und ohne falschen Respekt auch schon einmal Rockgrößen zur Eile anhält.

Recht hat er, schließlich muss man beim Soundcheck noch an den neuen Versionen von „With A Little Help From My Friends“ und „Freedom“ arbeiten.

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Die Band feilte bis kurz bevor die ersten Zuhörer in die Halle strömten noch an diesen Stücken,

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Tatkräftig unterstützt wurde sie dabei von Ray Frick, der die Rolle des Ideengebers, Dirigenten und kritischen Ersthörers übernahm. Man überlegte Arrangments und verwarf sie wieder:

 

So dass für die Absprache, wie man „Freedom“ nun spielen wollte, nur wenige Minuten und ein kurzes Anspielen der wichtigsten Passagen blieb.

Der Bürgermeister lässt grüßen, die Bürger rocken

In Solnhofen tritt man in einer unbestuhlten Mehrzweckhalle auf. Zur Eröffnung grüßt  die Kulturverantwortliche aus der Gemeindeverwaltung Ute Grimm im Namen des verhinderten Bürgermeistes. Nicht nur daran merkt, dass das Konzert für den Ort ein Großereignis ist.

Gleichzeitig findet man aber auch Autos mit Nummernschildern aus der nahen Großstadt Nürnberg vor der Haustüre. Früher musste man vom Land in die Stadt fahren, wenn man gute Rockgruppen hören wollte. Heute ist es nicht selten umgekehrt. Bereits am Anfang des Konzertes kann man sicher sein, dass sich jeder Kilometer der Anfahrt gelohnt hat.

Mit leicht veränderter Setlist und Reihenfolge geht es los. Und die Stimmung ist von Minute Eins an hervorragend. Die ausgefeilten Arrangements der Songs finden von Anfang an großen Zuspruch.

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Spannend wird es für diejenigen, die am Abend vorher dabei gewesen sind, als „Freedom“ an die Reihe kommt.

Ray Frick, der Promoter, der selbst reiche Erfahrung als Musiker hat, singt den Anfang a Capella, was dem Lied an dieser Stelle einen gebetsartigen Charakter gibt.

Damit es aber bald vorbei als die Band übernimmt.  Das Lied wird zu einer langgezogenen Jam Session, die sich in mehreren Stufen steigert, und bei der sich ein Derwisch vermutlich hervorragend tanzend in Trance versetzen können hätte. Getragen wird das Stück von der ganzen Band, besonders herausragen jetzt jedoch Frederico Bozas am Bass, der auch den sonoren Sprechgesang übernahm, und Tom Diewock am Schlagzeug, der ein ausgiebiges Solo hat. Wenn man es nicht schon gewusst hätte, wäre spätestens jetzt klar geworden dass die Rhythmusgruppe um keinen Deut schlechter ist als die für die Melodien und Akkorde zuständige Abteilung der Band.

„Freedom“ ist in der hier gebotenen Version am weitesten von allen an diesem Tag gespielten Stücken vom Original entfernt. Trotzdem – oder gerade deswegen – bekommt es frenetischen Applaus. Der wäre vermutlich noch größer gewesen, wenn das Publikum gewusst hätte, das man das Stück in der Probe vorher nur ganz angespielt hatte, wobei man sich vor allem auf die Gesangsparts konzentriert hatte.

Steve Gibbons war an diesem Stück nicht beteiligt. Er hörte es von backstage aus an, wobei sich durch den rückwärtigen Bühnenvorhang Schattenbilder der Musiker boten, die an die von Gibbons so hochgeschätzten Filme von Hollywoods „Schwarzer Reihe“ erinnerten:

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Nachdem der Applaus verklungen ist, wird es Zeit für Steve Gibbons auf die Bühne zu gehen. Nachdem ihn Ray Frick angekündigt hat, wird er mit noch mehr Applaus als am Vortag empfangen und die Veranstaltung legt noch einen Zahn zu.

Eingangs bedankt sich Gibbons bei den Zuhörern und freut sich, wie gerne er mit diesen Musikern spielt. Dann geht es unmittelbar los mit „Up On Cripple Creek“, in dessen Refrain viele miteinfallen.

Bei „Like A Rolling Stone“ singt dann die ganze Halle mit und Gibbons beweist bei der theatralischen Aufführung des Textes, dass an ihm ein Schauspieler verlorengegangen ist.

Anders als am Vortag folgt nach den ersten Songs von Gibbons eine Pause.

Das ist durchaus ein Risiko, den Zug in voller Fahrt anzuhalten. Aber nach der Pause schafft es die Band, zu Beginn wiederum ohne Steve Gibbons, unter anderem mit einer langen Version von „Let`get Stoned“ das Publikum dort abzuholen, wo es vor der Pause war.

Als Steve Gibbons wieder auf die Bühne kommt und mit „All Along The Watchtower“ Bob Dylan und Jimi Hendrix gleichermaßen seine Referenz erweist, strebt das Konzert wiederum seinem Höhepunkt entgegen. Auf dem Weg dorthin haben alle Bandmitglieder wiederum die Möglichkeit, ihr eigenes Können nochmals zur Schau zu stellen.

One more city, one mor town, one more musician

Zwei Konzerte mit einem roten Faden, aber in unterschiedlicher Besetzung und mit teilweise unterschiedlichen Songs. In Slowenien soll die Kernband (Bozas, Frampton, Gibbons, Glover und Diewock  um den kroatischen Mundharmonikaspieler Krešo Oremuš verstärkt werden.

Anderer Auftrittsort, andere Mitmusiker. Ein bisschen ist das wie bei Dylans Rolling Thunder-Tournee, bei der auch die Mitmusiker von Stadt zu Stadt wechselten. Für Gibbons ist diese Abwechslung jedoch Routine, da er mit seiner eigenen Band schon nmal an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zwei weitgehend unterschiedliche Sets spielt.

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I owe my career to Steve. I can´t stress too much how important he was… so let me say thanks to Steve for putting me on the spot back then: you changed my life, mate! ( Dave Pegg, Off The Pegg, S. 29)

Was finden Sie auf dieser Website?

Hier finden Sie Informationen über Karriere, Leben und Werk des von Kritikern wie Fans gleichermaßen geschätzten Songwriters und Live-Musikers Steve Gibbons, die es an anderer Stelle  in dieser Fülle  nicht gibt.

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