Neueste Nachricht: Die „Mittelbayerische Zeitung“ erinnert an Auftritt der Steve Gibbons Band 1981 in Regensburg

(Der Bericht darüber findet sich weiter unten, nach der aktuellen Reportage über die Bayern- und Slowenien-Tournee mit der Britisch Rock & Blues Explosion.)

Die aktuelle Reportage:

Archäopderyx, Bambi & Rock`n`Roll

Unterwegs mit der British Rock & Blues Explosion featuring Steve Gibbons und andere

(An English summary of this report maybe found on my linkedin-profile.)

Gibbons Abensberg Aplaus (8)

Die etwas anderen „50 Jahre Woodstock“-Konzerte

Aus Anlass des 50. Jubiläums des Woodstock-Festivals fanden viele Konzerte statt, bei denen Songs von damals möglichst original nachgespielt wurden.

Die Konzerte der British Rock & Blues Explosion, die im November unter dem Motto „Woodstock meets Bavaria“ stattfanden, waren anders.

Hier waren die Songs aus dem Katalog der Woodstock-Interpreten (und einige andere) der Ausgangspunkt für die eigenen Ideen aller beteiligten Musiker. Die Songs wurden dabei zu so etwas wie die Zeichnungen in Kindermalbüchern:  Leitlinien, die viele Freiräume lassen, sie mit verschiedenen Farben zu füllen.

On The Road mit Steve Gibbons & Co.

Wir hatten Gelegenheit, die Band zwei Tage bei dieser Tournee zu begleiten.

Am zweiten Tag des deutschen Teils der Tournee (die weiter nach Slowenien führte), trafen wir in Ingolstadt einen gutgelaunten Steve Gibbons, der vom Auftaktkonzert berichtet.

Dieses fand im ausverkauften dortigen Club „Diagonal“ statt. Publikum und Musiker scheinen eine gute Zeit gehabt zu haben. Schon bei dieser Gelegenheit, bei der Gibbons nicht mit Komplimenten für seine Mitmusiker und den Promoter geizte, wurde deutlich, dass hier Musiker gemeinsame Sache machten, die einander achten und Spaß haben, miteinander aufzutreten. Das wird man die gesamten Tage auch jenseits der Bühne merken.

Rustikale Ambiente am zweiten Abend

Der Auftritt am zweiten Abend sollte in einem anderen Umfeld stattfinden, nämlich im niederbayerischen Abensberg, also in einem ländlichen Ambiente. Dieser Umstand wurde durch den Veranstaltungsort unterstrichen: Nicht nur der Name („Weißbierstadel“) betonte diese rustikale Note, sondern auch die ganz in Holz gehaltene Inneneinrichtung und die landwirtschaftlichen Geräte – bis hin zu einem hölzernen Heuwagen -, die von der Decke hingen.

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Die Tanzfläche vor der Bühne ließ erkennen, dass hier normalerweise an den Wochenende die Partnersuche zur Musik heimischer Tanzcombos angesagt ist.

Die Band lässt sich dadurch nicht verdrießen und  genießt erst einmal das Catering: Wildgulasch (der Koch behauptet, er habe es selbst geschossen – und man nimmt es ihm ohne weiteres ab), je nach Wahl mit Kartoffel- oder Semmel(n)knödel(n) – die hier Brezelknödel heißen. Einer der Musiker stellt fest, dass man jetzt vermutlich Bambi, das putzige Reh aus dem Disney-Film, essen würde. Keinem verdirbt es den Appetit und den Spruch wird man noch öfter hören an diesem Abend.

„Die Igel“ als Vorgruppe

Kurz nachdem man das Gulasch  aus Bambi. Reh, Hirsch oder vielleicht auch Hase verzehrt hat, fängt die lokale Vorgruppe zu spielen an. Sie heißen The Hedgehogs (nicht zu verwechseln mit den gleichnamigen Bands aus Dänemark oder China.)

Hedgehog“ heißt Igel und die Incredible String Band, die ebenfalls in Woodstock auftrat, hat einen „Hedgehog Song“ geschrieben. Das scheint aber eher Zufall zu sein, da die niederbayerischen Igel vor allem Material aus der Vorwoodstock-Zeit zum besten geben.

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Nicht die „Eagles“, sondern niederbayerische Igel: The Hedgehogs

Die Tanzfläche füllt sich bei dem Crowd Pleaser „The Last Time“ zunehmend. Fast wartet man darauf, dass in der nächsten Musikrunde Slow Fox gespielt wird.

Was danach im ersten Teil des Sets der British Blues & Rock Explosion kommen sollte, hätte dagegen besser in einen kleinen Bluesrock- oder Jazzclub gepasst als in einen „Eventstadel“. Es war also spannend, wie der Abend weitergehen würde.

Aber der Reihe nach! Oder besser: Von Anfang an. Und damit zu der Frage, wie die erlesene Mischung von Musikern, die sich British Rock & Blues Explosion nennt,  überhaupt dazu kam, hier zusammen zu spielen-

Ray Frick: Die Idee und der Mann hinter dem Projekt

Wie das originale Woodstock beginnt die Geschichte dieser Konzerte nicht mit den Musikern, sondern mit einem Veranstalter, der eine Idee hatte.

In Woodstock waren das Artie Kornfeld und Michael Lang . Die Idee für die Woodstock meets Bavaria-Konzerte reifte dagegen im Kopf von Ray Frick. Dieser ist  trotz seines angloamerikanisch klingenden Namens ein bodenständiger Musiker und Konzertveranstalter aus Niederbayern, der für seine kulturellen Aktivitäten schon mit einem Kulturpreis ausgezeichnet wurde, und außerdem auch über reiche Erfahrung als Live-Musiker und Konzertveranstalter auch auf dem Balkan verfügt.

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Ray Frick kündigt Steve Gibbons an

Seine Idee war es, dass eine Band aus versierten Musikern Songs aus dem Woodstockreportoire und der damaligen Ära neues Leben einhauchen sollte.

Die Betonung liegt dabei auf „neu“.  Abziehbilder waren hier offensichtlich nicht gewünscht. Trotzdem war es natürlich von Vorteil, dass die Musiker die Stücke nicht nur kannten, sondern manche davon sogar einen Teil des eigenen Live-Repertoires bilden.

Pete „Sarge“ Frampton beispielsweise spielt mit seiner Band The Escape Committee regelmäßig Songs von Crosby,  Stills, Nash & Young.

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Peter „Sarge“ Frampton

Und Steve Gibbons ist mit dem Repertoire von Bob Dylan, der zwar nicht selbst in Woodstock auftrat, dessen Songs aber dort von verschiedenen Interpreten aufgeführt wurden, seit Jahrzehnten vertraut.

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Still rocking after all those years: Steve Gibbons

Bereits daran wird deutlich, dass die Auswahl vor allem inhaltliche Gründe hatte. Deshalb dürfte es auch nicht verwundern, dass sich unter den Musikern  auch der Akkordeonspieler Dackel“ Hirmer findet,

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Modischer Hut: „Dackel“ Hirmer

der „Freedom“, den auf der Bühne in Woodstock spontan entstandene Signatursong von Richie Heavens, im Repertoire hat, und stimmlich auch Joe Cocker-Nummern bewältigen kann.

Die weiteren Mitstreiter waren:

George Glover (Ex-Climax Blues Band) an den keyboards,

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Der Mann an den Keyboards: Georg Clover

Frederico Bozas am Bass (Mitglied der Band der John Leee Hooker Tochter Zakiya Hooker)

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Der Mann mit der Mütze: Frederico Bozas

und am Schlagzeug Tom Diewock (Jazzförderpreisträger und Schlagzeuger bei Blues Hunt).

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Optisch im Hintergrund, aber gut zu hören: Tom Diewock

Auf der Bühne standen also Profis, deren Hintergrund von Rock über Blues bis hin zum Jazz reicht. Da die meisten dieser Musiker auch Gesangsparts übernahmen, war auch im vokalen Bereich für Vielfalt gesorgt.

Weißbierstadel in Abensberg

Eine interessante Mischung von Musikern und ein interessantes Konzept für Veranstaltungsorte, die von Connaisseuren frequentiert werden, bei denen aber vermutlich der Woodstock-Slogan weniger gezogen hätte.

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Es fragte sich aber, ob das Konzept im Weißbierstadel aufgehen würde?

Junges Talent spielt Hendrix  

Den Auftakt machte dort, nach Vorgruppe und Umbaupause,   ein vorher nicht angekündigter Gast. Fabian Daniel, ein junger Gitarrist aus der Gegend, der die Woodstockreise mit Star“ Spangeled Banner“ a la Hendrix einläutet.

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Später bei „Hey Joe“ sollte er nochmals dazu kommen, wobei Sarge Frampton seinem um Jahrzehnte jüngeren Kollegen viel Raum überließ. Generationen-übergreifendes Teamwork war also angesagt.

Querschnitt durch das Woodstock-Repertoire

Das Set der British Rock & Blues Explosion begann – noch ohne Steve Gibbons und das niederbayerische Add-On „Dackel“ Hirmer – mit dem Song „Woodstock“. Den hat Joni Mitchell nach dem Festival geschrieben. Auch Crosby Stills Nash & Young haben ihn aufgenommen. Mit Peter „Sarge“ Frampton an Stimme und Leadgitarre verlor der Song die wehleidige Sentimentalität, die er in der Originalversion hat, und gewann auch gegenüber der Fassung von C,S,N & Y an Stärke und Richtung.

Ähnlich konsequent ging es weiter mit packenden Versionen von „Almost Cut My Hair“, „You Can´t Do that“ (die Beatles-Komposition, die hier anfangs leichtfüßig jazzig und swingig daher kam, dann aber rockig wurde, wurde in Woodstock nicht gespielt) „Let´s Get Stoned“ (eine Cocker-Nummer) „Love the One Your with“ (C,S,N & Y) und „Evil Ways“ (Santana). Die Vocals übernahm dabei jeweils das Bandmitglied, zu dessen Favoriten der Song gehörte.

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Bereits jetzt wurde deutlich, dass die Band keinesfalls bloße Coverversionen bekannter Songs bieten mochte, sondern den altbekannten Songs neue Facetten abgewinnen wollen, wobei Musiker verschiedener Generationen einander Platz zur Entfaltung einräumten, um ein gemeinsames Ganzes zu schaffen.

Am besten lässt sich dieser Ansatz wohl mit dem Slogan „Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern das Weitertragen des Feuers“ umschreiben.

Abensberg wird New Orleans

Das Abensberger Publikum hört interessiert zu und applaudiert ordentlich. Ganz scheint der Funke jedoch bis dahin noch nicht übergesprungen zu sein.

Das wird anders als „Dackel“ Hirmer mit seiner „Ziehharmonika“ die Band verstärkt. Er hat hier eine große Fangemeinde im Weißbierstadel. „Freedom“ (Richie Heavens) und „Going up the Country“ (Canned Heat)  gehören zu seinem Standardrepertoire und sind gleichzeitig bekannt, weil sie es auf die Dreifach-LP mit dem Konzertmittschnitt geschafft haben.Gibbons Abens Dacke (2).jpg

Die Stimmung steigt merklich. Nun wird das beschauliche Abensberg zu New Orleans!

Gibbons spielt „The Band“

Als Ray Frick dann Steve Gibbons ankündigt, brandet Beifall auf und es tut der Stimmung keinen Abbruch, dass der Altmeister zuerst einmal nicht anfangen kann, weil seine Gitarre ohne Kabel auf die Bühne gestellt wurde.

Als er dann in die Saiten greift, kommt noch mehr Bewegung in den Stadel und die Tanzfläche fühlt sich zunehmend.

Gibbons beginnt mit „Up on Cripple Creek“ von The Band (die in Woodstock auftraten, aber ihren Auftritt nicht auf der Live-Platte hören wollten, da sie nicht von seiner Qualität nicht überzeugt waren), um später durch mit einem Mix aus Dylan-Songs, die in Woodstock von verschiedenen Interpreten (Joan Baez, Arlo Guthrie und Jimy Hendrix) zu hören waren, und anderen Lieder ohne direkten Bezug zu Woodstock, ein packendes Paket an rockenden Songs abzuliefern.

Sein eigener Hit „Tulane“, eine Chuck Berry-Komposition aus den frühen 1970ern, die hier mit beim Finale mit einem Versatzstück von „Johnny B. Goode“ angereichert wird, ist ebenso darunter wie Twist and Shout. Das geht zwar über das Veranstaltungsmotto hinaus, bringt aber den Stadel zum Kochen.

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Der guten Stimmung tut es auch keinen Abbruch, dass Gibbons, der dafür bekannt ist, bei seinen Konzerten spontan Songs aus seinem enzyklopädischen Rockwissensschatz aus dem Hut zu ziehen, eine offensichtlich für alle anderen Beteiligten überaschende Reggae-Version von Kris Kristoffersonss „Help Me Make It Throught The Night“ anstimmt, bei der er noch dazu einige Hänger beim Text hat.

Improvisation, Augenzwinkern und Spaß zählen in diesem Moment mehr als Perfektion!

Stimmlicher Drahtseilakt

Beim fulminanten Finale steht dann der Lokalmatador „Dackel“ Hirmer wieder im Mittelpunkt. „With A Little Help From My Friends“ steht auf dem Programm, in der Joe Cocker-Version, die so eine Art Annapurna  des Rockgesangs darstellt. Annapurna ist einer der weltweit gefährlichsten Berge. Auf drei erfolgreiche Besteigungen kommt dort ein Todesfall. Beim Gesangspart dieses Liedes ist die Absturzquote wohl noch erheblich höher. Hirmer schreckt das nicht und er meistert die Tiefen und Höhen des Songs, wobei man ihm die körperliche Anstrengung ansieht.

Tatkräftig wird er dabei von der gesamten Band und dem Publikum als Background-Chor unterstützt.

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Nach dieser Nummer sind nicht nur Hirmer und die Band schweißgebadet, sondern auch das Publikum, das reichlich Applaus für die Band spendet.

Smalltalk über „Strats“, DDR-Konzerte und Promoter

Am nächsten Tag kann es die Band langsam angehen lassen. Clover, Frampton und Gibbons fachsimpeln nach dem Frühstück und erinnern sich an Auftrittsorte und Konzertveranstalter. Längere Zeit spricht man auch über Erfahrungen mit Konzerten in der damaligen DDR und Erlebnissen auf der Fahrt durch die DDR unterwegs zu Konzerten in Westberlin.

Länger ist auch von der magischen Ausstrahlung, die Fender Stratocaster in den 1950ern und 1960ern besaßen, und den damaligen, für die meisten unbezahlbaren Preisen für dieses Objekt der Begierde die Rede. Heute scheint das Verhältnis zum „Strat“ weniger emotional zu sein. Steve Gibbons trägt seine originale Fender in einem Gig-Bag mit der Aufschrift „Ibanez“. Britisches Understatement? Oder will er so die Gefahr, dass das gute Teil im Inneren gestohlen wird, senken?

Kurz vor Mittag steht dann der Van vor der Tür und es geht gemächlich nach Sonthofen. „Dackel“ Hirmer wird nicht auftreten können. Die Band überlegt kurz, wie man die beiden Songs, bei denen dieser am Vorabend gefeatured wurde („Freedom“ und „With A Little Help From My Friends) wurde, auf die andren Musiker verteilen könnte.  Richtig beunruhigt wirkt keiner. Profis auf Tour eben.

 Rock-Dinosauriere besuchen ihre Kollegen

In Solnhofen angekommen, lädt das Bürgermeisteramt erst einmal zu Umtrunk, bayerischer Brotzeit und einem Museumrundgang, der tief in die Vergangenheit führen soll. Darauf deutet schon das Modell eines T-Rex, der vor dem Rathaus steht hin, vor dem sich alle unter dem Motto „Rock-Dinosaurier“ zum Gruppenbild aufstellen.

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Steve als dem ältesten wird noch die Ehre eines Einzelbildes zusammen mit diesem mit 150 Millionen Jahren doch etwas älteren Wesen zuteil.

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Der Grund für das Modell vor dem Rathaus ist schnell erklärt: In Solnhofen wurde der Archäopteryx gefunden. Deshalb gibt es hier auch ein Museum, das anhand zahlreicher hier gefundener Fossilien die faszinierende Lebenswelt im erdgeschichtlichen Jura dokumentiert

Stones und Muddy Waters im Museum

Die Privatführung im eigens geöffneten Museum wird von den Musikern gerne angenommen. Und es werden weitere  Parallelen zur Rockmusik gefunden. Die Gemeinde Solnhofen mach als weltbekannter Fundort von Versteinerungen mit dem Slogan „Die Welt in Stein“ Werbung. Da man Englisch spricht, ist man gleich bei den „Stones“. Und da Ammoniten, ausgestorbenen Kopffüßler in Schneckenform, meist rund sind, und deshalb so aussehen, als ob sie gut rollen könnten, fällt auch das Wort „Rolling“.

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Die Solnhofer „Rolling Stones“

Und weil viele Fossilien dadurch entstanden, dass tote Urwelttiere in „muddy waters“ vom Schlamm eingeschlossen wurden, ist auch diese Bluesgröße nicht weit.

Besonderes Interesse findet eine Karte, die mit Morphing-Effekten die Veränderungen des europäischen Kontinents im Laufe der Jahrmillionen zeigt. Aus ihr geht hervor, dass Großbritannien vor (erdgeschichtlich gesehen) gar nicht so langer Zeit ein fester Bestandteil des Kontinents war.

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„Das werde ich in die Sozialen Medien geben“, meint einer der Musiker, während er mit dem Handy filmt „als Argument gegen den Brexit“

 Kaum Zeit für „Hausaufgaben“

Die Band ist von dem Museum und den Erläuterungen so angetan, dass man dort mehr Zeit verbringt als geplant. Ray Frick waltet deshalb wieder seines Amtes als grantelnder, aber gleichzeitig fürsorglicher Kümmerer, der das große Ganze im Blick hat und ohne falschen Respekt auch schon einmal Rockgrößen zur Eile anhält.

Recht hat er, schließlich muss man beim Soundcheck noch an den neuen Versionen von „With A Little Help From My Friends“ und „Freedom“ arbeiten.

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Die Band feilte bis kurz bevor die ersten Zuhörer in die Halle strömten noch an diesen Stücken,

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Tatkräftig unterstützt wurde sie dabei von Ray Frick, der die Rolle des Ideengebers, Dirigenten und kritischen Ersthörers übernahm. Man überlegte Arrangments und verwarf sie wieder:

Vor lauter kreativem Austausch bleiben für die Absprache, wie man „Freedom“ nun spielen wolle, nur wenige Minuten und ein kurzes Anspielen der wichtigsten Passagen.

Der Bürgermeister lässt grüßen, die Bürger rocken

In Solnhofen tritt man in einer unbestuhlten Mehrzweckhalle auf. Zur Eröffnung grüßt  die Kulturverantwortliche aus der Gemeindeverwaltung Ute Grimm im Namen des verhinderten Bürgermeistes. Nicht nur daran merkt, dass das Konzert für den Ort ein Großereignis ist.

Gleichzeitig findet man aber auch Autos mit Nummernschildern aus der nahen Großstadt Nürnberg vor der Haustüre. Früher musste man vom Land in die Stadt fahren, wenn man gute Rockgruppen hören wollte. Heute ist es nicht selten umgekehrt. Bereits am Anfang des Konzertes kann man sicher sein, dass sich jeder Kilometer der Anfahrt gelohnt hat.

Mit leicht veränderter Setlist und Reihenfolge geht es los. Die Stimmung ist von Minute Eins an hervorragend. Die ausgefeilten Arrangements der Songs finden von Anfang an großen Zuspruch.

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Spannend wird es für diejenigen, die am Abend vorher dabei gewesen sind, als „Freedom“ an die Reihe kommt.

Ray Frick, der Promoter, der selbst reiche Erfahrung als Musiker hat, singt den Anfang a Capella, was dem Lied an dieser Stelle einen gebetsartigen Charakter gibt.

Damit es aber vorbei als die Band übernimmt.  Das Lied wird zu einer langgezogenen Jam Session, die sich in mehreren Stufen steigert, und bei der sich ein Derwisch vermutlich hervorragend tanzend in Trance versetzen können hätte. Getragen wird das Stück von der ganzen Band, besonders herausragen jetzt jedoch Frederico Bozas am Bass, der auch den sonoren Sprechgesang übernahm, und Tom Diewock am Schlagzeug, der ein ausgiebiges Solo hat. Wenn man es nicht schon gewusst hätte, wäre spätestens jetzt klar geworden dass die Rhythmusgruppe um keinen Deut schlechter ist als die für die Melodien und Akkorde zuständige Abteilung der Band.

„Freedom“ ist in der hier gebotenen Version von allen an diesem Tag gespielten Stücken am weitesten vom Original entfernt. Trotzdem – oder gerade deswegen – bekommt es frenetischen Applaus. Der wäre vermutlich noch größer gewesen, wenn das Publikum gewusst hätte, das man das Stück in der Probe vorher nur ganz angespielt hatte, wobei man sich vor allem auf die Gesangsparts konzentriert hatte.

Steve Gibbons war an diesem Stück nicht beteiligt. Er hörte es von backstage aus an, wobei sich durch den rückwärtigen Bühnenvorhang Schattenbilder der Musiker boten, die an die von Gibbons so hochgeschätzten Filme von Hollywoods „Schwarzer Reihe“ erinnerten:

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Nachdem der Applaus verklungen ist, wird es Zeit für Steve Gibbons auf die Bühne zu gehen. Nachdem ihn Ray Frick angekündigt hat, wird er mit noch mehr Applaus als am Vortag empfangen und die Veranstaltung legt noch einen Zahn zu.

Eingangs bedankt sich Gibbons bei den Zuhörern und freut sich, wie gerne er mit diesen Musikern spielt. Dann geht es unmittelbar los mit „Up On Cripple Creek“, in dessen Refrain viele miteinfallen.

Bei „Like A Rolling Stone“ singt dann die ganze Halle mit und Gibbons beweist bei der theatralischen Aufführung des Textes, dass an ihm ein Schauspieler verlorengegangen ist.

Anders als am Vortag folgt nach den ersten Songs von Gibbons eine Pause.

Den Zug in voller Fahrt anzuhalten ist durchaus ein Risiko. Aber die Band schafft es, nach der Pause, zu Beginn wiederum ohne Steve Gibbons, unter anderem mit einer langen Version von „Let`get Stoned“ das Publikum dort abzuholen, wo es vor der Pause war.

Als Steve Gibbons wieder auf die Bühne kommt und mit „All Along The Watchtower“ Bob Dylan und Jimi Hendrix gleichermaßen seine Referenz erweist, strebt das Konzert wiederum seinem Höhepunkt entgegen. Auf dem Weg dorthin haben alle Bandmitglieder wiederum die Möglichkeit, ihr eigenes Können nochmals zur Schau zu stellen.

One more city, one mor town, one more musician

Zwei Konzerte mit einem roten Faden, aber in unterschiedlicher Besetzung und mit teilweise unterschiedlichen Songs. In Slowenien soll die Kernband (Bozas, Frampton, Gibbons, Glover und Diewock  um den kroatischen Mundharmonikaspieler Krešo Oremuš verstärkt werden.

Anderer Auftrittsort, andere Mitmusiker. Ein bisschen ist das wie bei Dylans Rolling Thunder-Tournee, bei der auch die Mitmusiker von Stadt zu Stadt wechselten. Für Gibbons ist diese Abwechslung jedoch Routine, da er mit seiner eigenen Band schon nmal an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zwei weitgehend unterschiedliche Sets spielt.

Positive Presse

Auch die  Presse ist übrigens von der Band begeistert. Über das spätere Konzert in Pfaffenhofen berichtet sie u.a. von:

einer „fulminante(n) Show

phänomenalen Bass- und Drum-Soli und Szenenapplaus des begeisterten Publikums.

(Musikern),  die sich gegenseitig wie Frampton an der Gitarre und Glover am Keyboard mit sichtbarem Spaß an ihrer Musik zu virtuosen Höchstleistungen anstacheln. Dabei improvisieren sie oft auf Zuruf spontan, aus einem Guss und erzeugen mit markanten Gitarren-Riffs, groovigen Basslines und prägnanten Fills an den Drums einen Sound, der durch Mark und Bein geht . (und davon, dass)

Steve Gibbons … bewies, dass er auch stimmlich immer noch up to date ist.

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Neuste Nachricht:

Kleiner Auftrittsort, kleine Anlage, großes Konzert

Die „Mittelbayerische Zeitung“ erinnert an einen Auftritt der Steve Gibbons Band 1981 in Regensburg

Die „Mittelbayerische Zeitung“ erinnerte am 19.11.2019 in einem Beitrag zu 40. Jubiläum der Regensburger Band Tana Nile auch an einen Auftritt der Steve Gibbons Band im Jahr 1981:

Damals sollte Steve Gibbons im Sudhaus, einer feinen, aber auch kleinen location in der historischen Regensburger Altstadt auftreten. Der Schlagzeuger von Tana Nile Stefan Adler einnert sich:

„Seine Roadies kamen vorab und fuhren nach Sichtung des Auftrittsortes mit der Anlage gleich weiter nach Nürnberg … Sie dachten, da spielt er nie. Gibbons aber wollte auftreten.“

Die Lösung des Problems „Spielwillige Band in Regensburg, die Anlage aber in Nürnberg“ fand der Tourmanager Michael Rösch, der mit beiden Band zusammenarbeitete, darin, dass sich die SGB die Anlage von Tana Nile lieh, obwohl diese eigentlich einen eigenen Auftritt hatte:

Reinhold Blochberger (Gitarre) dazu:

„Wir hatten gerade einen Gig in der Ostengasse, den brachen wir ab und stellten unser Equipment ins Sudhaus.“

Eine eilige Aktion, die jedoch vollen Erfolg hatte. Der Schlagzeuger Stefan erinnert sich in der „Mittelbayerischen“:

 „Auch auf unserer eher mittelmäßigen Anlage klang Steve Gibbons saugut“, ist Stefan noch immer beeindruckt. „Das machte uns klar, dass Profis mit jeder Anlage spielen können, weil sie es einfach drauf haben.“

Weitere aktuelle Nachrichten

– „Bad News on the doorstep“: Die Band The Dylan Project hat sich aufgelöst.

Autobiographie von Dave Pegg (Ex-Jethro Tull, Ex-The Uglys, Ex- The Dylan Project, Fairport Convention) würdigt Steve Gibbons –

I owe my career to Steve. I can´t stress too much how important he was… so let me say thanks to Steve for putting me on the spot back then: you changed my life, mate! ( Dave Pegg, Off The Pegg, S. 29)

Was finden Sie auf dieser Website?

Hier finden Sie Informationen über Karriere, Leben und Werk des von Kritikern wie Fans gleichermaßen geschätzten Songwriters und Live-Musikers Steve Gibbons, die es an anderer Stelle  in dieser Fülle  nicht gibt.

Dies in folgende  Rubriken :

Die neuesten Beiträge der Steve Gibbons-Story:

Funkstille, Dunkelheit und Lichtblicke in Hamburg (1989/1990)
Ridin Out (3)
„Auf freien Fuß“ und auf einen Herzschlag „On Stage“ mit George Harrison (1985/86)

Heart Beat

Mit der „Street Parade“ als „Saints and Sinners“ in den Rockpalast (1980/81)

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Skandinavien-Tournee mit Handykap, „Musikladen Extra“, auf Solo-Pfaden mit Pete Townsend, das Nürnberger Zeppelinfeld und Best-of-LP mit unterschiedlicher Länderzusammenstellung (1979)
Down in the Bunker“ (1978): Vorläufiger künstlerischer Höhepunkt mit viel Neuem (das zum dennoch „Alten“ passt), aber nur in Skandinavien ein Verkaufsrenner
„Caught in the Act“ (1977): Das Live-Denkmal für die klassische Besetzung der Steve Gibbons Band
Unter den letzten Gästen von Marc Bolan: „Tulane“ öffnet nun auch die Türen zu TV- und Radio-Studios

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„One of the Boys“: Steve Gibbons schreibt und Roger Daltrey singt das „1977-er My Generation“img_4900Bildquelle: Screenshot https://www.discogs.com/de/Roger-Daltrey-Steve-Gibbons-One-Of-The-Boys-Please-Dont-Say-Goodbye/release/3482095
Zweites Album, zweite Chance, erste (und einzige) Hitsingle 1977
Who are you: Roadie oder zukünftiger Star? Pete Townsend wird eines Besseren belehrt – Oder: Ein Jackett, das es in sich hatte!
Die Bühnen der Welt öffnen sich – On the Road mit The Who
Dauergast in den Konzerthallen des UK als support act, aber erste Steve Gibbons Band-LP „Any Road Up“ hebt nicht ab

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