Mit der „Street Parade“ als „Saints and Sinners“ in den Rockpalast (1980/81)

„Street Parade“ mit neuen Mitmarschierern

Mit dem Auftritt im Vorprogramm von The Who auf dem Zeppelinfeld in Nürnberg und demjenigen im „Musikladen Extra“ hatte die Steve Gibbons Band den vorläufigen Höhepunkt ihrer Karriere in Westdeutschland erreicht. Danach hörten die meisten Musikfans in Deutschland längere Zeit nichts mehr von der Band.

Im Jahre 1981 tauchte dann in gut sortierten Schallplattenläden die neue LP “Street Parade” auf. Aufmerksamen Betrachtern, die sich schon vorher mit der Band beschäftigt hatten, fiel bei der Lektüre der Plattenhülle auf, dass außer Steve Gibbons selbst und Trevor Burton keines der ursprünglichen Bandmitglieder an dieser Platte mitgewirkt hatte. Was war gechehen?

Eine Geschichte, zwei Versionen

Über die Gründe dafür gibt es zwei Versionen. Michael Vonau schreibt in den liner notes zur Rockpalast-DVD davon, dass die übrigen Bandmitglieder die Gruppe verlassen hätten:

Nach drei hervorragenden Studioalben – am wichtigsten sicherlich das Tony Visconti produzierte Album „Down In The Bunker“ 1978 – stiegen, bis auf den treuen Trevor Burton, alle Bandmitglieder aus …

Auf einer Fanseite für die New Romantic-Vorläufer Duran Duran warden die Hintergründe dieser Entwicklung dagegen so beschrieben:

In the late 1970s the band (gemeint ist die Steve Gibbons Band) had just finished touring the USA and were having a month off when Steve Gibbons called the members to a meeting, informing them that the group was finishing with the existing line-up, but would continue with Steve and Trevor Burton.

Im Zusammenhang damit stellt sich vielleicht der eine oder andere Frage, warum  sich einen Fanseite von Duran Duran mit der Steve Gibbons Band beschäftigt?

Ganz einfach: Bob Lamb, der bisherige Schlagzeuger der Steve Gibbons Band, orientierte sich nach seinem Rauswurf beruflich neu und wurde Produzent. In dieser Eigenschaft betreute er die ersten Schallplatten von Duran Duran. (Womit er sich finanziell vermutlich gegenüber seiner Tätigkeit bei der Steve Gibbons Band eher verbessert hat.)

Wir werden die Frage „kollektiver Rücktritt oder Rauswurf“ hier nicht entscheiden können. Beide Varianten machen es jedoch sehr wahrscheinlich, dass man zuerst einmal mit einer provisorischen Besetzung weiter machen musste, und mit dieser auch die nächste Platte aufnahm.

Die neuen (kurzzeitigen) Bandmitglieder

Darauf deute auch hin, dass man „Street“ Parade“ mit einer mit einer verkleinerten Stammbesetzung aufgenommen hat. Statt drei ausgeschiedenen Musikern kamen nämlich nur zwei, die beide schon als Studiomusiker an „Down In The Bunker“ mitgewirkt hatten, nämlich Robbie Hunt, der diverse Gitarren übernahm und Harry Rix, der das Schlagzeug bediente.

  • Robbie Blunt hatte in den frühen 1970ern bei einer Band namens Bronco gespielt und sollte später bis Mitte der 1980er zur Soloband von Robert Plant gehören. Danach arbeitete er als Studiomusiker u.a. für Julian Lennon, Tom Petty and the Heartbreakers und Clannad.
  • Harry Rix dagegen hatte ein sehr kurzes Intermezzo als Studiodrummer  bei Badfinger, einer von den Beatles für Apple unter Vertrag genommenen Band mit tragischem Schicksal, scheint aber ansonsten vor allem in lokalen Bands gespielt zu haben.

So weit auf dem Album Saxophone zu hören sind stammen diese von Nick Pentlow und Bill Paul. Vor allem Pentlow hatte die Band schon vorher unterstützt, z.B. auf dem Album „Down In The Bunker“. Produziert wurde Street Parade“ von der Steve Gibbons Band und Bobby Priden.

Ein altes Bandmitglied dreht auf

Das, neben Steve, einzig verbliebene Bandmitglied Trevor Burton dagegen fungierte auf dieser LP als Allzweckwaffe oder „eierlegende Wollmilchsau“. Ausweislich des Plattencovers spielt er nämlich sowohl Bass wie Keyboard, außerdem Rhythmus- und Leadgitarre. Schließlich steuerte er noch Gesang und Percussion bei.

Ein Album mit breitem Spektrum

Das Album deckt musikalisch und inhaltlich das übliche weite Spektrum der Steve Gibbons Band ab. Da wird der Rock ’n‘ Roll und das Leben als Rockmusiker beschrieben (sehr anschaulich und überzeugend in dem Song “British Rock`n`Roll“), es wird von dubiosen Gestalten am Rande der Gesellschaft erzählt („Graffitti Man“). Szenen aus dem Leben der Arbeiterklasse („Street Parade“, „Saturday Night“) fehlen ebenso wenig wie Sozialkritisches („A to Z“) und Reminiszenzen an die karibische Heimat vieler Mitbürger in Birmingham („Sonny Day in the Tropics“, „Blue Lagoon“). Und Liebeslieder gibt es natürlich auch.

Trevor Burton, der schon im „Musikladen Extra“ bei dem Song Satisfying Moves den Gesang übernommen hatte, tritt, zusammen mit seiner Frau Rita, mit Abracadabra erstmals auf einer LP der SGB als Songwriter in Erscheinung.

Ein Song, der später dazu gemogelt wurde

Ein Song, der sich bei späteren Wiederveröffentlichungen auf Seite eins inmitten der usprünglichen tracks findet, wurde jedoch später dazugemogelt. Die von Tony Visconti   produzierte Elvis-Reminiszens „Give it back“ war urspünglich die B-Seite der Single „Down In The Bunker“, und war noch mit der vorherigen Zusammensetzung der Steve Gibbons Band eingespielt worden. Ein packender Song zweifelsohne. Trotzdem ist es ärgerlich, dass er nicht, wie für Bonus tracks üblich, nicht am Ende der Scheibe platziert wurde.

Die ursprüngliche Reihung der Songs, das Album Sequenzing, prägte schließlich zu den Zeiten der Schallplatte das Hörerlebnis wesentlich mit und gehört damit zum Gesamteindruck des Originalalbums. Gerade bei einer Band wie der Steve Gibbons Band, die sich, wie man an der Covergestaltung, abgedruckten Songtexten sowie Fotoschnipsel, Zeitungsauschnitte und andere Hinweisen auf der Verpackung der ursprünglich auf Vinyl erschienenen Tonscheiben sieht, sehr der Kunst des „Album-Machens“ verpflichtet fühlte, ist ein solcher Eingriff ärgerlich.

„Beiwerk“ zur Platte lädt zum Entdecken ein

Wie es sich bei einer ordentlichen Vinyl-LP gehört(e), rundet auch bei „Street Parade“  die Verpackung das Hörerlebnis ab. Da ist zum einen das Frontcover, das mit dem Bandnamen als Grafitti auf einer Ziegelsteinmauer auf den Working Class Background der Band anspielt. Hier weiß man sofort, dass man auf dem Tonträger bodenständige Hörprodukte finden wird.

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Die einzelnen Bilder auf dem Frontcover zeigen, verschiedene Paraden, vornehmlich solche aus dem britischen Leben, aber auch eine US-amerikanische Konfettiparade scheint darunter zu sein und bei den marschierenden strammen Jungmädchen fragt man sich, ob sie aus dem (national)sozialistischen Umfeld stammen.

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Auf der Innenhülle sind nicht nur alle Texte abgedruckt, sondern auch viele Fotos und Zeichnungen, die Querverweise auf Fixpunkte und wiederkehrende Schemata in der Welt, die die Texte von Steve Gibbons beschreiben, enthält. Britisches Alltags- und Festtagsleben findet sich dabei ebenso wie Verweise auf das Gangster-  und Privatdetektivmileu.

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Und wer genau hinsieht, stellt fest, dass auch das Lesen wieder thematisiert wird.

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Demgegenüber fällt das Band-Bild auf dem Innencover in grob kernigen schwarz-weiß (bewusst?) unauffällig aus, fast so, als hätte man nicht darauf verzichten, aber es auch nicht zu prominent gestalten, wollen.

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(Wieder einmal) Ein „rundes“ Album ohne Charterfolg

Besonders charakteristische Highlights wie „No Spitting On The Bus“ oder „Down In The Bunker“ von der Vorgängerveröffentlichung fehlen auf „Street Parade“. Dennoch ist es ein Album (im besten Sinne des Wortes) das dazu einlädt, aufmerksam durchgehört zu werden. Die Platte wurde außer in den USA, Großbritannien, in Skandinavien und in Deutschland beispielsweise auch in Griechenland veröffentlicht. Charterfolge konnte es nicht feiern.

Die Single zum Album

Dasselbe gilt für die ausgekoppelte Single. Für die A-Seite wählte man international das atemlose „A to Z“, kein typisches Steve Gibbons-Band-Stück, aber mit dessen funky Groove (der dem Stück Natural Thing“ von dem Any Road Up- Album nicht unähnlich  ist), versprach man sich wohl in den damaligen Zeiten eine gewisse Radio- und Discothekentauglichkeit

Als Rückseite wählte man Blue Lagoo. Nur für Deutschland wählte man mit „British Rock and Roll“ einen Song aus, dessen Handlung in Deutschland spielt (und die denkwürdigen Zeilen „Frankfurt here we come/Frauleins here we come“ enthält).

In den USA erschien nur eine Promo-Single für Radiostationen. Diese hatte auf beiden Seiten „A to Z“, wie bei solchen Singles nicht unüblich . Der Grund dafür liegt wohl darin, dass die Radio DJs, die diese Testplatten, die ja einem gewissen Verschleiß unterlagen, erhalten hatten, die Songs möglichst oft spielen konnten. Zu einer regulären Veröffentlichung einer Single aus dem Album in den USA kam es jedoch nicht.

„Saints & Sinners“: Das letzte Mayor-Company-Album

Schon im darauffolgenden Jahr stand mit „Saints & Sinners“ die nächste LP der Steve Gibbons Band in den Schallplattenläden.

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Und wieder war, neben Steve Gibbons, der  treue Paladin Trevor Burton der einzige „Überlebende“ aus der Besetzung der vorherigen Scheibe. Allerdings sollten die jetzigen Neuzugänge länger bleiben als die vorherigen. Mit dem Rockpalast und der ersten DDR-Tour sollte die „Saints & Sinners“-Besetzung auch zwei wichtigen Episoden der Bandgeschichte prägen. ( Dass es ausgerechnet Trevor Burton sein würde, der hier das letzte Mal auf einer LP der Steve Gibbons Band spielte, war wohl noch nicht absehbar als die Platte erschien.)

Neu waren in der wieder zu Fünf_Mann-Gruppe angewachsenen Stammband:

  •  „Dangerous“ Derek Wood, der nun der ständige Mann am Bass wurde, so dass Trevor Burton wieder eine der Gitarren (und gelegentlich Keyboards) übernehmen konnte. Ein Betätigungsfeld, in das er sich mit Elan und Können stürzte.
  • Auf dem Schemel hinter dem Schalgzeug saß nun Alan „Sticky“ Wickett, der später eine beachtliche Karriere als Jazz-Schlagzeuger (u.a. bei Chris Barber, von dem gleich noch die Rede sein wird) machen sollte.
  • Neu an der Gitarre war P.J. Wright, der im Frühsommer 1981 zu der SGB gestoßen war und in den ersten Monaten vor allem durch eine umfangreiche Zettelsammlung auffiel, auf der er sich die Gitarrenparts aller Songs seiner neuen Band notiert hatte. Was damals noch keiner ahnen konnte, war, dass P.J. Wright zum neuen Marathonmann an der Gitarre werden und bis in die Mitte der Neunziger Jahre Mitglied des Band bleiben sollte und auch heute noch, fast vierzig Jahre später, mit Steve Gibbons zusammen im Dylan Project spielt.

Mit der neuen Stammbesetzung von „Saints & Sinners“ stand auch die Besetzung für eine wahrhaft historische Mission der SGB, die erste ausgedehnte Tournee einer weißen westlichen Rockband durch die DDR. (Dazu später noch mehr.)

Prominente Studiomusiker

Für die Studioaufnahme von „Saints & Sinners“ kamen Nick Pentlow am Saxophon und  Mick Cotton an der Trompete hinzu. Außerdem Al Shackloock an den Keyboards sowie Gertaint Watkins, ebenfalls Keyboards und Akkorden, ein Instrument, das im Rock vielleicht nicht so häufig ist, aber bei der Steve Gibbons Band ab und an eine wichtige Rolle spielt.

An der Posaune ist außerdem ein Jazzmusiker zu hören, für den die Bezeichnung Weltstar nicht übertrieben ist: Chris Barber.

Exkurs Chris Barber.

Zu Chris Barber könnte man lange Zeilen schreiben. Hier nur soviel:

  • Chris Barber ist, so Wikipedia, ein „britischer Posaunist, Kontrabassist, Sänger und JazzBandleader, der trendsetzend die Entwicklung eines eigenständigen britischen Jazz beeinflusst hat“. Andere bezeichnen Barber als einen der wesentlichen Begründer und Entwickler des „Trad Jazz“.
  • Mit dem Instrumental „Petite fleur„, das zu einem Jazzstandard wurde, hatte er 1959 auf beiden Seiten des Atlantiks einen Millionenseller.

Barber hat sich jedoch auf dafür verdient gemacht, dass er das europäische Publikum mit verschiedenen wichtigen „Urvätern“ und einer „Urmutter“ der Blues- und Rockmusik, für die er Tourneen nach Großbritannien organisierte, bekannt machte. Dabei handelte es sich um Sister Rosetta Tharpe (Tour im November 1957, Brownie McGhee und Sonny Terry (Mai 1958), , Muddy Waters (Oktober 1958) und Louis Jordan ( Dezember 1962).

Leider ist hier kein Platz für einen Exkurs im Exkurs. Aber die genannten US-Musiker sind Meilensteine in der Bluesmusik und in verwandten Genres.

  • Sister Rosset Tharpe sang Gospel und begleitet sich mit der E-Gitarre, auf der sie auch Slide-Gitarre spielte, dazu und war somit eine Wegbereiterin dieses Instruments. Wer ihren Auftritt mit „That`s all“ aus dem Jahr 1960 auf You Tube sieht, wird dabei manches sehen und hören, das sich bewusst männlich gebende Blues später ebenso zelebriert haben. Sie gilt als „Godmother of Rock and Roll“ und hat das Gitarrenspiel von Chuck Berry ebenso beeinflusst wie den Gesang von Elvis. (Diejenigen, die den Spielfilm Die fabelhafte Welt der Amélie gesehen haben, werden sich vielleicht auch an einen Auftritt von ihr, der dort kurz gezeigt wird, erinnern.) Zu denjenigen, die ihr Andenken hochhalten, gehört übrigens niemand geringerer als Bob Dylan.
  • Brownie McGhee und Sonny Terry waren 1978 auf dem Nürnberger Zeppelinfeld auf besonderen Wunsch des Meisters einer der Opening Acts für Bob Dylan, ähnlich wie dies die Steve Gibbons Band das Jahr danach für The Who gewesen war.
  • Muddy Waters dürfte bekannt sein. Louis Jordan ist eine Entdeckungsreise wert, schließlich nahm niicht nur B.B.King ein Tributealbum mit Songs von ihm, sondern mit „Five Guys Named Moe“ machte auch ein Musical, das nur aus Jordan Songs besteht, Furore.

Die Songs auf dem Album

Wiederum sind die üblichen Steve Gibbons Genres vertreten: Behandelt werden das Leben der britischen Working Class („Social Dance“) und der karibischen Einwanderer („Home From Home“), Typen am Rande der Gesellschaft („The Rugged Rock“) sowie Rockmusik und Rassengleichheit („American Rock `n`Roll“ mit der Textzeile: Them white boys got rhythm, black boys got soul“). Es gibt Sozialkritik („Biggies Fly Undone“ und „Fiction Factory“) und Liebeslieder. Diese stammen allerdings beide nicht aus der Feder von Gibbons:

    • Mit „

Loving Me Loving You“

    • leistete Trevor Burton wiederum einen Beitrag auch zum Songwriting. Und

Till I Waltz Again with You

    ist wiederum eine Stve-Gibbons-typische Ausgrabung  aus den Annalen der Populärmusik: Mit diesem Lied in einer langsamere Shuffle-Version landete Teresa Brewer im Jahr 1952, also fast 30 Jahre vor dem Erscheinen von „Saint & Sinners“, einen Nr. 1 Hit in den USA. Die Steve Gibbons Band macht einen kraftvollen Walzer daraus und hat also wiederum keine Hemmungen, das übliche musikalische Terrain einer Rockband, die zuerst dadurch bekannt wurde, dass sie „Reißzwecken zum Frühstück frißt“ zu verlassen.

Mit dem Lied „Somebody Stole My Synthesizer“ kann sich Gibbons einen Seitenhieb auf die neue Konkurrenz, die ihre Auftritte nur mit Technik bestreiten kann (und dementsprechend hilflos ist, wenn sie ausfällt, oder wie hier gestohlen wird) nicht verkneifen.

Mit „B.S.A.“ öffnet Gibbons das erste Kapitel eines neuen Genres seiner Songs, nämlich dasjenige mit Motorradsongs, B.S.A. steht für „Birmingham Small Arms Company“, einer Firma, die außer Waffen eine Zeit lang auch Motorräder produzierte. Hoffnungen, dass die Firma den Song für Werbung kaufen würde, konnte sich Gibbons jedoch von vorneherein nicht machen. B.S.A. hatte nämlich schon 1972 die Motorradproduktion eingestellt.

Artwork mit Tücken

Auch hier illustrieren zahlreiche Abbildungen auf dem bedruckten Innencover wiederum die Songs.

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Und auch ein aufgeschlagenes Buch als Reminiszenz an die Literatur fehlt nicht. Diese geht allerdings etwas nach hinten los. Abgedruckt sind dieses Mal nämlich die Songtexte, in einer Schriftgröße, die eigentlich danach schreit, dem Album noch eine Lupe bezupacken:

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Die Single aus dem Album

Als Single wurde, ganz im Stil der Zeit auch als  Picture-Disc, die Trevor Burton Komposition „Loving Me, Loving You“ veröffentlicht, mit zwei, von der SGB jeweils live eingespielten Covers von Songs von Rock and Roll-Göttern auf der Rückseite:

  • Da war als erstes „That Makes It Tough“, eine eher gemächliche (und sagen wir es rihig: auch ein wenig kitschige) Nummer von der zweiten posthum veröffentlten Buddy Holly-Platte, den der verstorbene Urvater des Rock`n`Roll auch selbst geschrieben hatte.
  • Das zweite Lied „No Money Down“ handelt von einem Autokauf und war ursprünglich, die B-Seite der (selbst auch nicht eben besonders bekannten) Chuck-Berry Single „Downbound Train'“ aus dem Jahr 1955, einer Zeit (wie ein Hörer auf YouTube zu diesem Song schrieb „From back when music was music, and Cadillacs were Cadillacs“).

Chartplatzierungen von Album und Single? Sie werden es schon ahnen: Keine.

Mayor-Company „Bye-Bye“, aber es bleibt spannend

Was auch erklärt, dass „Saints & Sinners“ das letzte Album der Steve Gibbons Band war, das bei einer Major Company erscheinen konnte. Der Vertrag war ausgelaufen, eine Verlängerung gab es nicht. Von jetzt ab erfolgten die Tonträger sporadischer und bei unterschiedlichen Labels.

In den bislang dreieinhalb Jahrzehnten nach „Saints & Sinners“ sollten (neben der 1996er Solo-LP „Stained Glass“) nurmehr zwei Studioalben der Steve Gibbons Band (Maintaining Radio Silence 1990 und Chasing Tales 2008) und eine Studioplatte vornehmlich mit Coverversionen (Birmingham to Memphis 1993) erschienen

Trotzdem standen noch einige Höhepunkte bevor, schließlich sollte die Karriere der Band noch in die DDR führen und der Bandleader sollte noch mit dem Ex-Beatle Georg Harrsion, den beiden Rolling Stones Ron Wood und Billy Wyman sowie dem früheren Elvis-Presley Gitarristen Scooty Moore auf der Bühne stehen.

Als nächstes kam jedoch, für die gesamte Band, ein Auftritt im deutschen Rock-Olymp (oder müsste man statt  „Olymp“ sagen: „Walhalla“?), dem Rockpalast.

Live im Rockpalast (W-Berlin 2.11.1981)

„Ganz schön abgearbeitete Jungs“

Das Konzert fand am 2. November 1981 im Berliner Metropol statt. Wie üblich kam man direkt von einer Tournee zu diesem Auftritt, so dass nach der Erinnerung des Rockpalast-Moderator Albrecht Metzger „die Jungs ganz schön abgearbeitet“ ausgesehen hätten.

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Fast die Hälfte Coverversionen

Die fünfzehn Songs, darunter fast die Hälfte, nämlich sieben; Coverversionen, brachte man dennoch überzeugend über die Bühne

Das Konzert beschreibt eine Rezension so:

Steve trat im November 1981 mit einer perfekt eingespielten Mannschaft im Berliner Metropol auf. Trevor Burton und P.J. Wright präsentieren sich als ausgefuchste Gitarristen. Auch die Rhythmusgruppe mit Derek Wood (bg) und Alan ‚Sticky‘ Wickett (dr) agiert absolut souverän. Chef im Ring ist jedoch eindeutig Stevre Gibbons mit seinen unnachahmlichen Vocals. Übrigens sind auch die anderen vier Musiker am Gesangsmikro tätig. …..Aufnahmetechnisch merkt man dem Mitschnitt seine TV-Herkunft an. Gleichwohl haben die Tontechniker aus den Bändern das Bestmögliche herausgeholt.

Und Michael Vonau schreibt in den Liner Notes zur DVD-Veröffentlichung des Konzerts im Jahr 2010:

Als weitere Neuentdeckung gab Alan „Sticky“ Wickett sein Drum-Debut auf „Saints & Sinners“ und der anschließenden Tour. Er war derart vielseitig und kompetent, dass im Anschluss an seine Zeit bei der SGB nur ein Wechsel ins Jazz-Lager blieb: Er diente keinem Geringeren als Chris Barber – mit kleinen Unterbrechungen – bis 1998 und gab in dessen Jazz and Blues Band den Takt an.

Derek Wood am Bass war ebenfalls neu im SGB-Team, er legte einen fundierten Bass…

Als bedeutendster Lebensabschnittpartner von STEVE GIBBONS glänzt Trevor Burton im Rockpalst-Konzert wie selten zuvor. Man merkt ihm an, dass die langen Jahre als Bassist der SGB seine wahre Meisterschaft an der Gitarre hatte in Vergessenheit geraten lassen und das er das jetzt definitiv ändern wollte.

Gespielt hat die Band damals folgende Stücke:

  • Social Dance
  • A To Z
  • Loving Me, Loving You
  • No Spitting On The Bus
  • The Rugged Rock
  • Biggel´s Fly´s Undone
  • To Be Alone With You
  • Paralyzed
  • B.S.A.
  • Gave His Life For R´n´R
  • Git It
  • Down In The Bunker
  • Bye Bye Johnny
  • Like A Rolling Stone

Das Konzert folgt einer ausgefeilten Dramaturgie, die offensichtlich verka ufsfördernd versucht, Stücke aus allen bisherigen Alben zu präsentieren, aber die eine oder andere Schwachstelle, wie Coverversionen von „Paralyzed“ (Elvis) und „Bye Bye Johnny“, die mit angezogener Handbremse daher kommen, hat. Auch gehen die vielen Coverversionen natrülich auch zu Lasten der einen oder anderen Eigenkomposition, die man vielleicht auch vorstellen hätte können, wenn man schon einmal in einer solchen Kultsendung auftritt.

Gelungen ist der, für viele vielleicht überraschende Beginn mit Acapella-Gesang. Über die Reggae-Rhythmen von „Social Dance“, das eher hitparadenorientierte „Loving Me, Loving You“ und das Bo-Diddley-shuffelnde „No Spitting On The Bus“ arbeitet man sich dann langsam zu den „härteren“ Nummern vor. Besonders sticht unter diesen die fast achtminütige Version von „Down In The Bunker“, die durch ausufernde und treibende Gitarrensolos geprägt wird, hervor. Ein „Like a Rolling Stone“ im Reggae-Styl, das zurückhaltend beginnt, um dann doch noch die Kurve zu bekommen, bildete das Finale.

Unterm Strich konnte die Band mit ihrem Westberliner Auftritt zufrieden sein. Was wohl keiner im Publikum ahnte, war, dass die SGB schon auf gepackten Koffern saß, um hinter dem Eisernen Vorhang im Osten Deutschlands zu spielen, und so zur ersten westlichen weißen Band wurde, die ausgiebig durch die DDR touren durfte.

Die Fortsetzung findet sich hier.

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