Skandinavien-Tournee mit Handykap, „Musikladen Extra“, Solo-Auftritt mit Pete Townsend, das Nürnberger Zeppelinfeld und Best-of-LP mit unterschiedlicher Länderzusammenstellung (1979)

„Down in the Bunker“ war bei der Kritik ein großer Erfolg. Realistisch gesehen dürfte sich die Freude darüber bei der Band jedoch in Grenzen gehalten haben, da die Plattenfirma, die in die Produktion und die Werbekampagne einiges vorinvestiert hatte, einen ordentlichen return-of-investment sehen wollte, bevor man den Plattenvertrag verlängerte.

Deshalb waren Tourneen, mit denen das Album bekannter gemacht werden sollte, das Gebot der Stunde.

Best of-LP „Get Up and Dance“ für unterschiedliche nationale Geschmäcker unterschiedliche Zusammenstellungen

Gleichzeitig versuchte die Plattenfirma selbst durch die Best of-LP „Get Up and Dance“, die man in Deutschland, Irland und Skandinavien herausbrachte, ein Zubrot zu den bisher erschienenen drei Studio- und der Live LP zu verdienen.

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In Großbritannien erschien erst im Jahr danach, ohne den Zusatz „Get Up and Dance“ und mit einer anderen Tracklist, aber mit demselben Coverfoto, eine Best of-LP.

Folgende Songs wurden für die Hörer in Deutschland, Irland und Skandinavien als „Best of“ ausgewählt

  • Get Up And Dance
  • Eddy Vortex
  • Natural Thing
  • Till The Fire Burns Out
  • Tulane
  • Johnny Cool
  • No Spitting On The Bus
  • Down In The Bunker
  • Little Suzie
  • Mr. Jones
  • Grace
  • Git It
  • Gave His Life To Rock´n Roll
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Die Steve Gibbons Band 1979. Immer noch nicht sehr vertrauenserweckend, aber gegenüber früher modisch.

Im Vergleich mit der im Jahr später in Großbritannien erschienenen LP stellt man fest, dass Eddy Vortex, Tulane, Johnny Cool, No Spitting On The Bus, Down In The Bunker, Mr. Jones, Git It und Gave His Life To Rock´n Roll wohl von der Plattenfirma für international angesehen wurden, während man

  • Get Up And Dance,
  • Natural Thing,
  • Till The Fire Burns Out,
  • Little Suzie und
  • Grace

eher als kontinentaleuropäische und irische Favoriten ansah, die man den britischen Best-of-Käufern vorenthielt, während man

  • Watching The River Flow,
  • Rollin‘ und
  • Tupelo Mississippi

nur den britischen Käufern in die Zusammenstellung packte.

Tourneen zu „Down in The Bunker“ nur in Europa

Obwohl  die Plattenfirma in US-amerikanischen Musikzeitschriften Anzeigen für das Album „Down In The Bunker“ geschaltet hatte, ging man nicht dort auf Tournee (hatte man den dortigen Markt schon abgeschrieben?), sondern zuerst einmal nach Skandinavien, wo die Band und ihr neues Album offensichtlich mit die treuesten Freunde hatten.

Skandinavien Tour in kleinerer Besetzung

Allerdings musste man für diese Tour das Konzept der Auftritte verändern. Schuld war ein Zigarettenautomat in Deutschland.

An diesem hatte sich Bob Wilson die Hand verletzt, sodass er für die Schweden-Tour im April 1979 ausfiel. Dementsprechend musste man das Repertoire so umstellen, dass man es mit der verbleibenden Gruppe ohne wesentliche Abstriche auf die Bühne bringen konnte. Deshalb wurden insbesondere alle Stücke mit Klavierbegleitung gestrichen. Womit zum Beispiel der Song „Big JC“ von „Down In The Bunker“ aus dem Programm gestrichen weden musste.

Auch ansonsten scheint die verkleinerte Gruppe sehr „aufgedreht“ zu haben. Der schwedische Musikjournalist Hakan Pettersson sah deshalb sogar die Gefahr, dass die Gruppe dadurch ihr ursprüngliches Publikum verlieren würde. Und bei „Any road up“ hörte er „wilde und rücksichtlose Soli“ des verbliebenen Gitarristen Carroll und des Saxophonisten Nick Pentelow, die er als „eher egoistische Reisen als musikalisch motiviert“ bezeichnete.

Musikladen Extra

Im Frühjahr 1979 konnten deutsche Zuschauer auch eine mehr als einstündigen Musikladen Extra-Sendung mit der Steve Gibbons Band erleben, die bereits am 7. November 1978 aufgezeichnet worden war.

Der „Musikladen“ gehörte zu den wenigen Nischen mit Rockmusik im damals noch öffentlich rechtlich dominierten deutschen Fernsehen. Er war der Nachfolge des Beat-Clubs, der ersten Musiksendung mit englischsprachigen Interpreten im deutschen Fernsehen. Gegründet wurde die Sendung, da man bei den Rundfunk- und Fernsehverantwortlichen bemerkt hatte, dass die Zielegruppe der Teenager bis Mitdreißiger zunehmend den deutschen Funkmedien den Rücken kehrten und  Radio Luxemburg, zu Soldatensendern wie BFBS oder AFN  oder zu Piratensendern abwanderte.

Produziert wurde der Musikladen von Radio Bremen. Insgesamt liefen vom 13. Dezember 1972 bis 29. November 1984 neunzig Folgen. Außer regulären Sendungen, in denen mehrere Interpreten mit jeweils einzelnen Songs auftraten, gab es gelegentlich auch „Musikladen Extra“, bei denen ausgewählte Interpreten live spielten. Andere Gruppen, die in der  Sendung auftraten waren z.B. The Doors (ohne Jim Morrison, der war schon tot), Duane Eddy, America, Randy Newman und Van Morrison.

Angekündigt wurde die Sendung, die auch auf YouTube zu finden ist, im Musikexpress vom 2. März 1979 mit den Worten:

„ The Steve Gibbons Band …noch so’n Geheimtipp!“

Geboten wurde ein Programm, in dessen Zentrum Songs aus „Down In The Bunker“ standen. Hinzu kamen (natürlich!) „Tulane“ sowie Klassiker aus dem Live-Programm der Band wie „Mr. Jones“ und „Git it“. Daneben wurde mit „Gold Coast“ ein damals noch unveröffentlichter Song gespielt. („Gold Coast“ erschien erst als Bonus Track auf der 1988-er CD-Veröffentlichung von „Down In The Bunker“.) Schließlich sang Trevor Burton „Satisfying Moves“.

Die Setlist im Einzelnen

  1. Mr. Jones
  2. Eddie Vortex
  3. The Gold Coast
  4. Down in the City
  5. Satisfying Moves (Gesang: Trevor Burton)
  6. No Spitting on the Bus
  7. Down in the Bunker
  8. Git it
  9. Tulane

Auf Solo-Pfaden mit Pete Townsend

Im Sommer wandelte Steve Gibbons dann auf Solo-Pfaden, um einen alten Bekannten und Förderer bei einer guten Sache zu unterstützen.

Pete Townsend trat am 13. Juli 1979 im Finsbury Park bei einem Wohltätiglkeitskonzert zur Unterstützung von „Rock against Racism„, einer Veranstaltung, die auch auf verbale Entgleisungen von David Bowie und Eric Clapton zurückzuführen war, auf.

Dabei unterstützte ihn auch Steve Gibbons bei einigen Songes. Welche das waren, lässt sich leider nicht mehr genau ermitteln. Die Setlist bestand aus Won`t Get Fooled again, Big Boss Man, The Real Me, No Spitting On The Bus, Blue Suede Shoes, Tatoo, In The Cupboard, Bargain, Drowned, Let`s See Action und My Generation.

Seinen eigenen Song Spitting On The Bus wird er auf jeden Fall selbst gesungen haben. Und das anschließende Blues Suede Shoes würde ebenfalls perfekt zu ihm passen.

Nürnberg Zeppelinfeld, 1. September 1979

Am 1. September 1979 stand dann wiederum ein Auftritt im Vorprogramm von The Who an. Und was für einer!

The Who waren für diesen Tag als Headliner beim Nürnberger Open Air gebucht. Dies war aus einer ganzen Reihe von Gründen ein besonderes Konzert.

  • Zum einen stand der Fortbestand von The Who nach dem Tod des Schlagzeuger Keith Moon unter einem großen Fragezeichen. Zumindest nach den Berichten der deutschen Musikpresse damals sollte der Verlauf dieses Konzertes auch darüber mitentscheiden, ob die Band weiterhin fortbestehen sollte.
  • Außerdem handelte es sich bei dem Veranstaltungsgelände, dem Nürnberger Zeppelinfeld, um das wohl heikelste Gelände für ein Open Air- Festival überhaupt. Schließlich war es das ehemalige Reichsparteitagsgelände, auf dem während der Hitler-Diktatur die Nationalsozialisten ihre Parteitage abgehalten hatten. Deshalb gab es um die Abhaltung von Rock-Konzerten dort eine ständige öffentliche Diskussion.
  • Nicht wenige waren der Meinung, dass solche Veranstaltungen an diesem Ort mit der Geschichte dieses Geländes nicht vereinbaren wären. (Merkwürdig nur, dass ähnliche Bedenken bei den damals schon jahrelang an selber Stelle stattfinden Autorennen kaum geäußert werden!) Die Meinung, dass solche Veranstaltungen eine hervorragende Gelegenheit wären, das Gelände zu „entnazifizieren“ fand also nicht überall Zustimmung.
  • Trotz dieser internen Diskussionen hatte das Nürnberger Open Air-Festival im Jahre 1979, als es zum dritten Mal stattfand, bereits eine ansehnliche Geschichte hinter sich. Santana war hier eben so aufgetreten wie Rorry Gallagher, Thin Lizzy, Eric Clapton und – das wird Steve Gibbons besondere Ehrfurcht eingetaucht haben- Bob Dylan. (Der verstorbene Konzertveranstalter Fritz Rau beschreibt die Geschichte dieser Festivals aus Sicht des Veranstalters in seiner Autobiografie „50 Jahre Backstage – Erinnerungen eines Konzertveranstalters“).

Auch wenn die Steve Gibbons in Amerika als Vorgruppe von The Who vor ähnlich großen Zuhörermassen aufgetreten war, war dieses Konzert also etwas Besonderes.

Nürnberg 1979, für Gibbons der Beginn einer langen Freundschaft

Das merkt man Steve Gibbons auch heute noch an, wenn er über dieses Ereignis spricht. (Ein Interview, das Steve Gibbons dem Autor dieser Website für die inzwischen nicht mehr existente  „Germanbeat.de“-Seite gab, und in dem er auch über den damaligen Auftritt in Nürnberg sprach, findet sich nach wie vor im Internetarchive.)

Obwohl er ansonsten nach einem Leben voller Tourneen verständlicherweise schon einmal Auftrittsorte und Jahreszahlen durcheinanderbringt, erinnert er sich diesbezüglich aus dem Stand auch an das Datum: 1. September 1979.

Dies vielleicht auch deshalb, weil er mit diesem Konzert einen Grundstein für eine Fanbase in Nürnberg und im angrenzenden Frankenland gelegt hat, von der er noch Jahrzehnte später profitieren sollte. Dies beispielsweise dadurch, dass seine erste erschienene Live DVD im Jahr 2009 (allerdings vor erheblich geringerem Publikum) in der Nürnberger Nachbarstadt Fürth aufgenommen wurde.

Positive Pressekritiken

Für die „Nürnberger Nachrichten“ war das Festival am Montag danach der Aufmacher: „Rockmusik-Marathon lockte 60.000 Gäste an“ titelte sie (Auf derselben ersten Seite fanden sich weitere Schlagzeilen wie „Erstmals wird ein alter Atommeiler geschleift: Reaktor Niedereichbach soll verschwinden – Er war anderthalb Jahre in Betrieb“, „Neue Phase gegenüber Ostberlin?“ sowie „Die IRA  droht neue Mordkampagne an“.

Hier ein Blick auf das Festivalgelände mit einem alten Super-8-Film, den Bernd Kunze dankenswerterweise auf You Tube eingestellt hat. Lassen Sie sich entführen in die Athmosphäre der späten 1970-er!

Neun Gruppen standen auf dem Programm. Als Steve Gibbons mit seiner Band die 20 m lange und 13 m hohe Bühnen betrat, hatten Eduard Zankie, Molly Hatchet und Nils Lofgren ihre Auftritte schon hinter sich.

Den Auftritt von Nils Lofgren lobten die Nürnberger Nachrichten wegen „wahnsinniger Läufe“ und“ „Spielpausen mit Kapriolen auf dem Trampolin“. Offensichtlich schien der Autor froh, danach über etwas wesentlich Bodenständigeres berichten zu können. Über den Auftritt der Steve Gibbons Band schrieb er nämlich:

Solche Gags hatte Steve Gibbons nicht nötig. Er bringt wohltuend klaren, durchstrukturierten britischen Rock ’n‘ Roll. Fülle und Farbe kommen durch einen Sax-Satz und zwei Backgroundsängerinnen. Der sympathische, ruhige Anti-Star will in seiner Musik etwas von jener Zeit bewahren “wo englische Musiker mit ihrer ganzen Anlage noch auf die Ladefläche jener Lastwagen passten, die zu kleinen Gigs auf dem Kontinent unterwegs waren“. Er mag keinen „Schmiedehammer-Rock“, aber auch „keinen polierten Sound. Ein paar Ecken und Kanten müssen schon dran sein.

Das Resultat war ein auf- und anregender Klang, bei dem die Musiker mehr zu sagen haben, als die Tonmixer. Gibbons lässt in seiner Musik dem Hintergrund des Industriebezirkes von Birmingham spüren. Seine witzigen Texte beschäftigen sich mit der morgendlichen Busfahrt zur Arbeit und in seiner Musik schwingen die Pub-Pianos der Arbeiterkneipen ebenso mit wie die Straßenfeste der westindischen Einwanderer.

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Auszug aus den“Nürnberger Nachrichten“ vom Montag, 3. September 1979

 

Des Tong und Trevor Burton erinnern sich

Des Tong, Musiker und Musikjournalist Musiker und Musikjournalist aus Birmingham, der damals als Mitglied der Band von Nils Lofgren vor der Steve Gibbons Band gespielt hatte, erinnert sich in einem Interview, dass er mit Trevor Burton führte:

We did this big place in Nürnberg. You guys turned up, just came in, did the set, blew evrybody away and where out the door again. … Fantastic! You were so tight

Trevor selbst erinnert sich bei derselben Gelegenheit an die Zeit mit der SGB als vier Jahre, in denen man dauernd auf Tour gewesen sei. Vor dem Nürnbegerer Konzert wäre  man bereits sechs Wochen in Deutschland auf Tournee gewesen, so dass man keine Zeit gebraucht habe, um sich warm zu laufen.

Was Trevor zum Zeitpunkt des Nürnberger Auftrittes noch nicht wusste: Etwas mehr als ein Jahr später sollte er als Mitglieder der Steve Gibbons Band  zu den ersten weißen westlichen Rockgruppe gehören, die ausgiebig durch die DDR Touren dürfte.

Nürnberg war auch ein erster Abschied von der SGB Mark I

Allerdings sollten von der Nürnberger Besetzung nur noch er und Steve Gibbons zu dieser Band gehören. Nürnberg war also gleichzeitig einer der Höhepunkte und das Finale der ersten Auflage der Steve Gibbons Band. Schon die nächste LP sollte mit einer neuen Besetzung eingespielt werden. Und  beim nächsten Konzert-Höhepunkt, der Rockpalast-Auftritt, stand schon wieder ganz andere Musiker als Steve Gibbons Band auf der Bühne.

Bewegte Zeiten standen bevor!

Wird fortgesetzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für die „Nürnberger Nachrichten“ war das Festival am Montag danach der Aufmacher: „Rockmusik-Marathon lockte 60.000 Gäste an“ titelte sie (Auf derselben ersten Seite fanden sich weitere Schlagzeilen wie „Erstmals wird ein alter Atommeiler geschleift: Reaktor Niedereichbach soll verschwinden – Er war anderthalb Jahre in Betrieb“, „Neue Phase gegenüber Ostberlin?“ sowie „Die IRArt droht neue Mordkampagne an“.

Neun Gruppen standen auf dem Programm. Als Steve Gibbons mit seiner Band die 20 m lange und 13 m hohe Bühnen betrat, hatten Eduard Zankie, Molly Hatchet und Niels Lofgren ihre Auftritte schon hinter sich.

Den Auftritt von Niels Lofgren lobten die Nürnberger Nachrichten wegen „wahnsinniger Läufe“ und“ „Spielpausen mit Kapriolen auf dem Trampolin“. Offensichtlich schien der Autor froh, danach über etwas wesentlich Bodenständigeres berichten zu können. Über den Auftritt der Steve Gibbons Band schrieb er nämlich:

Solche Gags hatte Steve Gibbons nicht nötig. Er bringt wohltuend klaren, durch trukturierten britischen Rock ’n‘ Roll, Fülle und Farbe kommen durch einen Sax-Satz und zwei Backgroundsängerinnen. Der sympathische, ruhige Anti-Stare will in seiner Musik etwas von jener Zeit bewahren “wo englische Musiker mit ihrer ganzen Anlage noch auf die Ladefläche jener Lastwagen passten, die zu kleinen Gigs auf dem Kontinent unterwegs waren“. Er mag keinen „Schmiedehammer-Rock“, aber auch „keinen polierten Sound. Ein paar Ecken und Kanten müssen schon dran sein.“

Das Resultat war ein auf- und anregender Klang, bei dem die Musiker mehr zu sagen haben, als die Tonmixer. Gibbons lässt in seiner Musik dem Hintergrund des Industriebezirkes von Birmingham spüren. Seine witzigen Texte beschäftigen sich mit der morgendlichen Busfahrt zur Arbeit und in seiner Musik schwingen die Pub-Pianos der Arbeiterkneipen ebenso mit wie die Straßenfeste der westindischen Einwanderer.

Des Tong, Musiker und Musikjournalist Musiker und Musikjournalist aus Birmingham, der damals als Mitglied der Ben von Niels Lofgren vor der Steve Gibbons eingespielt hatte, wird sich in einem Interview, dass er mit Trevor Burton führte:

We did this big place in Nürnberg. You guys turned up, just came in, did the set, blew evrybody away and where out the door again. … Fantastic! You were so tight

Trevor selbst erinnert sich bei derselben Gelegenheit an die Zeit mit der SGB als vier Jahre, in denen man dauernd auf Tour gewesen sei. Vor dem Nürnbegerer Konzert sei man bereits sechs Wochen in Deutschland auf Tournee gewesen, so dass man keine Zeit gebraucht habe, um sich warm zu laufen. Was Trevor zum Zeitpunkt Nürnberger Auftrittes noch nicht wusste: Etwas mehr als ein Jahr später sollte er zusammen mit der Steve Gibbons Band zu den ersten weißen westlichen Rockmusikern gehören, die ausgiebig durch die DDR Touren durften.

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