„Down in the Bunker“: Vorläufiger künstlerischer Höhepunkt mit viel Neuem (das zum dennoch „Alten“ passt), aber nur in Skandinavien ein Verkaufsrenner (1978)

Beitragsbild: Nachzeichnung der Illustration zu einer Anzeige der Plattenfirma zu dem Album „Down In The Bunker“ . (Mehr zu dieser Anzeige im Text und hier.)

Nach „Tulane“ änderte sich einiges – auch das Auftreten der Band

Mit der Chart-Platzierung von „Tulane“ hatte die Steve Gibbons Band endlich ein Pfund, mit dem sie wuchern konnte – könnte man meinen.

Wenn man jedoch heute zurückschaut, scheint das subjektive Empfinden der Band (und/oder des Managements) ein anderes gewesen zu sein. Was nicht verwundert, wenn man sich einmal von der künstlerischen Seite frei macht und einen Blick auf die kommerzielle wirft. Die Band (vor allem der Bandleader) und das Management, mussten schließlich nicht nur Vorschusslorbeeren rechtfertigen –  sondern auch die Ausgaben für die Plattenproduktion, die PR und den Vorschuss auf künftige Einnahmen hereinspielen.

Und das alles in einer musikalischen Umgebung, die nicht unbedingt auf einen Familienvater Mitte Dreißig gewartet hatte, der Rock`n`Roll-Tradition und die Radio-Erlebnisse seiner Kindheit mit seinen Vorlieben für geschriebene und erzählte Geschichten, die dann in einem exzellent musikalisch begleiteten Mono-Drama dargeboten werden, verbinden wollte.

Das mögen einige der Gründe gewesen sein, warum sich bei der SGB  kaum, dass sie mit Tulane auf der Mittelspur der Erfolgsautobahn angekommen war, die Veränderungen häuften.

Neues Image, aber auch neuer Produzent

Die augenfälligste dieser Neuerungen war, dass offensichtlich die ganze Band Gruppentermine bei Friseur, Balbier und Herrenausstatter gebucht hatte, und nun verjüngt und stromlinienförmiger (aber immer noch mit einem „unbürgerlichen“ Image, das aber auch meilenweit vom damals angesagten, aus Altergründen ohnehin unerreichten Punk entfernt war) in die Öffentlichkeit trat.

Auch akkustisch wurde einiges verändert. Wie beim Musikalischen blieb dabei aber der „Markenkern“ unangetastet. Nicht Ausverkauf oder das Nachlaufen nach irgendwelchen Modeströmungen standen auf der Tagesordnung, sondern fine tuning und Neuausrichtung innerhalb des Terrains, das man abdecken konnte und wollte.

Begleitet wurde die von einem Wechsel des Produzenten. Kenny Laguna ging und es kam mit Tony Visconti ebenfalls ein Amerikaner. Ein recht prominenter mit viel Erfahrung in der britischen Rockszene. U.a. hatte er mit den  Sparks, Thin Lizzy, The Boomtown Rats, The Stranglers und The Moody Blues gearbeitet. Seine beste Visitenkarte aber war seine lange Zusammenarbeit mit David Bowie, für den er seit dem Album Space Oddity (1969) immer wieder als Produzent und Musiker arbeitete.

Bowie`s Klangmeister für Brum Rock

Der Down-to-Earth-Rocker Gibbons, den man für einen Südstaatenmusiker halten konnte, und der der Produzent von David Bowie, der sich zuerst mit Musik, die er selbst Plastic Soul nannte, ein Publikum aufbaute, dass er dann, während seiner Berliner Phase von 1977 bis 1979 unter dem Einfluss deutscher Klangpioniere, mit experimentellen Rock- und elektronischen Musik, schockierte: Wie geht das zusammen?

Wenn man die Querverbindungen unter der britischen Musikerszene dieser Zeit einmal durchdrungen hat, ist die Kombination Gibbons-Visconti weniger überraschend, als es heute aus der Rückschau vielleicht erscheint. Und auch musikalisch macht es im Rückblick auf eine Karriere von Steve Gibbons, der sich zunehmend musikalisch breiter aufstellt, und damit auch von dem Image als Chef einer Band, die Reißzwecken zum Frühstück frißt, befreien will,  durchaus Sinn.

Visconti: Mitmusiker und kongenialer Geburtshelfer

Den Einfluss von Viconti bringt die Website deutsche „Beatniks Music Corner“ etwas langatmig, aber treffend auf den Punkt:

Das von Tony Visconti hervorragend produzierte Werk „Down In The Bunker“ stellte 1979 so etwas wie den musikalischen Höhepunkt im bisherigen Schaffen des Steve Gibbons dar. So konsequent melodiebezogen und dem Kommerz geschuldet klang der Musiker bislang nicht. Ganz wichtig hierbei war die Tatsache, dass dieses Album sich dennoch nicht dem Geschmack des Massenpublikums anbiederte, das war auch nie Steve Gibbons Ambition. Er wollte stets der ehrliche Rock’n’Roll Musiker sein, was ihm hier auf diesem Album meisterlich gelang.

Vor allem war es Tony Visconti zu verdanken, dass diese Produktion so herrlich opulent und warm ausfiel, ohne jedoch irgendwie überbordend oder gar overproduced zu wirken. Visconti verlieh den Songs ganz einfach einen grossen zusätzlichen Glanz, indem er etwa auf die bei Steve Gibbons‘ ohnehin gerne arrangierten mehrstimmigen Gesangsarrangements einen Hauptfokus legte und tolle Vokalinszenierungen erarbeitete. Ausserdem spielte Visconti auch als aktiver Musiker auf dem Album mit, etwa im grandiosen Titelstück „Down In The Bunker“, wo er den Moog beisteuerte. Das Titelstück klang am Ende schon fast wie eine Nummer der ersten Dire Straits-LP, angereichert mit einer tollen Lap Steel Guitar, gespielt von Dave Carroll plus Visconti’s fülligem Arrangement.

Bei anderen Songs wirkte Tony Visconti ebenfalls als fast schon stilbestimmender Musiker und Produzent mit, indem er beispielsweise für den Titel „Down In The City Street“ zugunsten der Authentizität mit einem Rekorder raus auf die Strasse ging, um typische Stadtgeräusche aufzunehmen, mit welchen der Song danach angereichert wurde. Oder er verlieh der sanften und sehr gemütlich schunkelnden Countryrock-Nummer „Big JC“ mit einem Electric Double Bass eine seidenweiche Tiefe.

Neben Visconti war einer der auffälligsten Musiker auf der Platte auch der Saxophonist Nick Pentelow, der zuvor in Roy Wood’s Band Wizzard gespielt hatte. Er steuerte nicht nur wundervolle Saxophon-Klänge bei, sondern wirkte in einigen Songs gar als klangbestimmender Instrumentalist, beispielsweise in „Chelita“, der tieftraurigen Geschichte über ein gestrandetes Mädchen., das im Leben ganz unten angekommen war: „Oh Chelita, don’t throw your life away, don’t let the devil take you, find a new way“. Wer ebenfalls schöne Akzente setzen konnte, war schliesslich der Bassist Trevor Burton, der auch akustische Gitarre spielte. Burton kam ebenfalls von Wizzard, war aber bereits bei Roy Wood’s erster Band The Move mit dabei.

Zu den stärksten Songs des Albums zählten neben den bereits erwähnten sicherlich auch der groovige Opener „No Spitting On The Bus“, der nachfolgende Quasi-Shuffle „Any Road Up“, der Rock’n’Roll Song „Eddie Vortex“ und in diesem Zusammenhang sicherlich auch „When You Get Outside“. Besonders, wenn sich Gibbons einiger typischer Stilelemente der 50er Jahre bediente, klang er einfach unwiderstehlich, wie etwa eingebaute „Shoop-Shoop“-Chöre oder eine Twang Gitarre der Marke Duane Eddy. Ein Ueberraschungstrack war schliesslich auch die Nummer „Grace“, für die Tony Visconti nicht nur selber Hand anlegte (er spielte hier ein Vibrapiano), sondern auch gleich noch das weltberühmte Londoner Symphonie Orchester aufbot, welches von David Katz dirigiert wurde. Trevor Burton spielte bei diesem Stück gar eine hervorragende elektrische Leadgitarre. Dieser Song geriet zum opulentesten Titel der ganzen Platte, war aber – auch das ganz sicher Tony Visconti’s Verdienst – der einzige Song in so einem umfangreichen Arrangement-Kleid, was ihn umso mehr auf der Platte erstrahlen liess.

Tony Visconti setzte Steve Gibbon’s musikalische Ideen mit Sicherheit am ausgeklügeltsten um, „Down In The Bunker“ wirkt als Ganzes sehr viel verspielter, sehr viel abwechslungsreicher und vor allem professioneller produziert als Gibbons‘ andere Alben.

Was bei der Zusammenarbeit mit Visconti herauskam war, so sagen einige, das beste Steve Gibbons Album aller Zeiten. (Seit „Chasing tales“ in den 2000-ern würden wir diesen Satz so nicht mehr unterschreiben!)

Kritiken zu dem Album

Die Steve Gibbons Band: Die bessere Alternative zu den Dire Straits?

Oben wurde schon einmal die Parallelle zu den Dire Straits gezogen.  Es soll sogar Leute gegeben haben, die dachten, der Song „Down In The Bunker“ wäre von den Dire Straits.

Dazu Auszüge aus einigen Bewertungen zu Re-Issues verschiedener  LPs der SGB auf CD:

  • Like Dire Straits, the guitars tend to be bendable and fluid, the vocals a little grimy and unpolished, the production edgy and bright.

  • I’d agree with the other reviewer that used Dire Straits as a comparison, although Steve Gibbons has a more rootsy edge, veering into Chuck Berry and Bo Diddley territory at times

  • While all of this is going on, ultra-tasty guitar leads fill the gaps between vocal lines, very much in the style of Dire Straits‘ „Sultans Of Swing“. It’s a great song, highly recommended especially for Mark Knopfler fans.

  • The album this was on had, what seemed at the time, a progressive song about racial mixing, like why not, and some other rock songs. And it had this obvious chart attempt, mixing Gibbons’ rock heart with Dire Straits’ lyricism. I find the music quite winning, as I do all of Dire Straits when that style is working.

Worum geht es in den Songs?

Die Äußerungen von eben sagen sehr viel über die Musik, deshalb vielleicht noch ein paar Worte über die Inhalte der Songs auf „Down in the Bunker“.

Brett Hartenbach beispielsweise meint:

Musically and vocally, Down in the Bunker shows obvious American influences, but lyrically Gibbons‚ songs touch on questions of class, race, sexual orientation, and trends, with a decidedly British bent. Tracks like „No Spitting on the Bus“ and „Down in the City“ paint a picture of urban life in England, ranging from its most mundane to its very edge, while „Mary Ain’t Goin‘ Home“ is a thoughtful yet never heavy-handed look at race and love. Elsewhere, two of the record’s best tracks, the mythical „Big J.C.“ and the strange postwar golf amalgam of the title cut, suggest certain periods but also seem to defy a definite stamp of time, much like the record’s post-pub rock rock & roll. „Big J.C.“ hints at the Old West without necessarily committing, while „Down in the Bunker“ has a more ominous, futuristic, and militaristic feel that seems almost Orwellian at times. Compared with Down in the Bunker, Gibbons‚ first two major-label studio efforts seem like merely promising indicators of a career that don’t really prepare you for what’s to come.

Umstritten: Der Song „Down in the Bunker“

Wir wollen nicht verschweigen, dass nicht alle das Album toll finden. Die Musik wird durchwegs gelobt, aber der Song „Down in the Bunker“ macht einigen Schwierigkeiten.

Dazu ist zu sagen, dass der Song verschiedene Möglichkeiten zulässt, eine Geschichte hinein- oder herauszulesen.  Einige meinen sogar, dass er irgendetwas mit Golf zu tun habe, da es dort auch um Handikaps und Bunker sowie Bälle, die man verlieren kann, geht. Kann man so sehen, muss man aber nicht.

Wahrscheinlicher ist wohl, dass es tatsächlich um den Krieg geht. Ob den ersten oder den zweiten Weltkrieg, darüber kann man dann schon wieder streiten. Warum man ein solches kriegerisches Szenario zum Gegenstand eines Rocksongs macht? Diejenigen, die Ende der 1970er in Europa im wehrpflichtigen Alter waren, werden das wohl relativ gut nachvollzeihen können.

Positive Kritiken

Insgesamt überwogen die positiven Kritiken. Und vieles las sich so, als wäre mit dem Album endlich der lang erwartete kommerzielle Durchbruch geschafft. Manche, die das Werk positiv rezensierten hatten jedoch schon damals Zweifel, dass es den verdienten Publikumserfolg haben würde.

Hans-Will Andersen beispielsweise schrieb in SOUNDS 8/1978 von einem Album, bei dem zwar die Songs „beim genauen Hinhören die eine oder andere doch schon gehörte Stelle“ aufweisen würde. Insgesamt fand er aber, dass es eine Platte war, die es ihm „wieder so richtig angetan hat„. Und beim Titelsong hörte er Musik, die ihn „sofort in gute Laune versetzte“.

Trotzdem begann er seine Plattenbesprechung mit der Feststellung

„Die Band ist leider den meisten Rockfreunden in unseren Breiten unbekannt.“

und schließt mit dem Appell:

„… gebt den Jungs mal eine Chance, spätestens nach der vierten Platte sollte man sie nicht mehr überhören“

Mit dieser Aufforderung, die irgendwie so klang, als ob der Autor selbst nicht ganz an deren Verwirklichung glauben würde, setzte er den Ton für viele weitere Rezensionen, die man anläßlich diverser Wiederveröffentlichungen im Internet finden kann:

Nun konnte es also endlich richtig losgehen mit der Karriere des mittlerweile stramm auf die Vierzig zusteuernden Sängers und Gitarristen! Die Voraussetzungen dafür waren jedenfalls ziemlich gut, lieferte die Band mit ihrem 1978 erschienenen dritten Studioalbum DOWN IN THE BUNKER, hervorragend produziert von dem selbst damals schon legendären Tony Visconti (T.Rex, David Bowie, Strawbs, Gentle Giant, Carmen, Thin Lizzy usw.), doch elf zum Teil unverschämt eingängige Songs ab.

Der musikalisch eindeutig von Bo Diddley und Buddy Hollys Klassiker „Not Fade Away“ inspirierte Opener „No Spitting on the Bus“ erzählte nicht nur eine witzige Alltagsgeschichte, sondern bohrte sich dermaßen ins Ohr, dass man ihn buchstäblich tagelang nicht wieder los wurde. Die Frage war nur: Warum veröffentlichte die Plattenfirma diese Nummer nicht als Single??

Statt dessen wurde der an „Tulane“ erinnernde Rock’n’Roller „Eddy Vortex“ ausgekoppelt, schaffte aber lediglich Platz 56 der englischen Charts. Und als zweite Single entschied man sich erneut für den falschen Song, denn das ein wenig die Dire Straits vorweg nehmende (oder kopierende?) Titelstück „Down in the Bunker“ war zwar Klasse, aber eben kein typisches Radiofutter. Und so verschenkte man leichtfertig die große Chance, die Steve Gibbons Band richtig nach vorne zu bringen.

Die Gruppe war der damals auf der Insel grassierenden Pubrock-Bewegung zuzuordnen, aus der etwa zur gleichen Zeit erfolgreiche Acts wie die Dire Straits, Sniff’n’the Tears, Dr. Feelgood oder auch Chris Spedding hervorgingen. Ihre musikalischen Einflüsse stammten aus Rock’n’Roll, Rhythm and Blues, Folkrock, gewürzt mit einer Messerspitze Reggae. Motto: Immer locker vom Hocker.

Ihre Vorbilder waren, neben vielen anderen, vor allem Songwriter Bob Dylan und die lässige Laidback-Legende J.J. Cale. Dylans Handschrift wurde hier vor allem in Songs wie „Big J.C.“ und dem Ohrwurm „Chelita“ deutlich, J.J. Cale lugte den Jungs bei „Any Road Up“ und „Mary Ain’t Goin‘ Home“ über die Schulter. „Any Road Up“ diente Mark Knopfler als Vorlage für so manchen späteren Dire Straits-Song. Und der Abschlusstitel „Grace“ brachte mit leichten ostasiatischen Einflüssen ein schönes Album zu einem harmonischen Finale.

Wenn es damals mit rechten Dingen zugegangen wäre, hätte die Steve Gibbons Band mit DOWN IN THE BUNKER mindestens ein Top-Twenty-Album im Köcher gehabt, und „No Spitting on the Bus“ wäre, als Single ausgekoppelt, vielleicht rund um die Welt an die Spitze der Charts gegangen. Doch es sollte halt nicht sein. Gleichwohl kann man die Platte auch heute noch wunderbar durchhören. (Dennis Stephens)

Und auch in Schweden (ein Land, auf das wir gleich noch zurückkommen werden) stiess die Platte auf anerkennende Kritiken, die ebenfalls positive Veränderungen in Sound und Outfit feststellten:

Down in the bunker“ ist etwas völlig anderes. Zumindest in Bezug auf … die Produktion. Als etablierter Produzent (David Bowie, T Rex, The Move, Thin Lizzy usw.) versucht Tony Visconti nicht, die Persönlichkeit der Musik der Steve Gibbons Band zu tarnen…

Sogar visuell, auf dem Plattencover, kann man die Entwicklung der Band von einer langhaarigen und mehr oder weniger bärtigen Band zu einer frei und malerisch ziemlich stylischen Band sehen. … Visconti veränderte und verfeinerte die Songs von Gibbons mit sehr vorsichtigen Mitteln, …. wobei die Eleganz die Hauptzutat war. Mit Hilfe einiger Keyboards, Stahlgitarren und Saxophon  wurde die Gibbons-Band etwas weicher, ohne jedoch die Persönlichkeit oder den Kontakt zu den Rock’n’Roll-Wurzeln zu verlieren.  „

Plattenfirma rührt die Werbetrommel

Die exzellente erste Soloplatte von Steve Gibbons ging sang- und klanglos unter, weil die Plattenfirma damals kaum Werbung dafür gemacht hatte. Bei Down in the Bunker war es anders.

In Großbritannien schaltete man Anzeigen, in denen auf einer Schwarzweißzeichnung im Comic-Strip-Stil ein junger Soldat in einem dunklen Bunker, in den die Lichtblitze von Explosionen dringen, seinen Vorgesetzten ängstlich fragt: „Hey Sarge, what´s going on?

Worauf dieser ihn beruhigt: „Relax Son, It´s Steve Gibbons Band making a new album“.

Ebenfalls sehr martialisch kam die PR-Kampagne in den USA daher. So erschienen in der US-Zeitschrift Billboard im August 1978 ganzseitige Anzeigen (andere Acts, für die die Plattenfirma in dieser Ausgabe ähnlichen Aufwand betrieb waren Joe Cocker, Glady Night and the Pips und der Soundtrack zur Verfilmung von Sgt. Pepper „All This and WW II“ mit den Bee Gees, Peter Frampton und vielen anderen):

Get „Down In The Bunker. The new Steve Gibbons Band Album is highly expolsive and certified bombproof“

hieß es dort auf der der oberen Hälfte der Seite über der Schwarzweiß-Fotografie eines mehrstöckigen Wohnhauses, in dessen Vorgarten ein Loch in den Untergrund führt. Und auf der unteren Seitenhälfte verkündet ein dreispaltiger Text:

Steve Gibbons has shaved his beard, reared back and blasted out his strongest album of rock and roll yet.

But don`t take our not-unbiadsd opinion. Listen to the overwhelming response coming from every place there are people with ears.

Danach folgen einige Lobeshymnen. In einer davon heißt es wiederum marialisch angehaucht:

Here Steve shows a two-edged wrtiting and performing sword which is not to be taken lightly.

Dann wird davon berichtet, dass Songs wie „No Spittng On The Bus“, „Chelita“ und „Down in the Bunker“ „shock waves“ in verschiedenen „heavyweight AOR stations“, also Radiosationen, die vor allem albumorienterten Rock spielen, in verschiedenen Bundesstaaten ausgelöst hätten.

Und tatsächlich, wer die Bewertungen der wiederaufgelegter CDs der SGB auf US-Amerikanischen Websites liest, findet dort etliche Kommentare, die davon erzählen, dass die Songs von diesem Album regelmäßig in Alternativradiostationen gelaufen seien.

Eine weitere Anzeige in den USA, die  mit dem Slogan: „Down in the Bunker“ Uplifting Rock and Roll“ schloß, pries das Album folgendermaßen an:

Down In The Bunker“ is chock full of incisive wit, grooming tips, and good advice like „No Spitting On The Bus“.

And Steve Gibbons proper English mannners, polished by his years of fame as an English rock star, make songs like „Down In The Bunker“, „Eddie Vortex, „Chelita“ and „Any Road Up“ welcome in the finest homes and public places. And despite the „girl in the bunker, flashing her beautiful body“, the album is rated PG.

„Rated PG“ steht übrigens für „Parental Guidance Suggested“ (elterliche Anleitung empfohlen). Das ist dann der Fall, wenn der Inhalt folgende Bestandteile hat: „Mildely strong language, some violence, no substance abuse“.

Hat sich der Aufwand gelohnt?

Trotz dieses Werbeaufwands kam die LP weder in Großbritannien noch in den USA in die Charts.

In Großbritannien schaffte es der Song „Eddy Vortex“, den man als Single auskoppelt hatte, zwischen dem 15. Juni und dem 3. Juni 1978 gerade einmal vier Wochen in die Top 100, wo es als höchsten Platz die Position 56 belegte. In den US-Charts hinterließen weder LP noch die dort ausgekoppelte Single „No Spitting On The Bus“ eine Spur.

Einige behaupten, dass hätte auch an der Auswahl der ausgekoppelten Singles gelegen. Insbesondere „Eddy Vortex“ sei lediglich ein Abklatsch eines Chuck Berry-Songs gewesen und deshalb zu nahe an „Tulane“ und zu wenig repräsentativ für den neuen Stil der SGB gewesen.  Was wohl stimmt. Ob „No Spittin`on The Bus“ die bessere Wahl gewesen wäre?

Möglich. Dagegen spricht auch nicht, dass man in den USA gerade dieses Lied als Single ausgekoppelt hatte und auch nicht punkten konnte.

Dafür, dieses Lied in den USA als Single auszukoppeln, mag eine gewisse rhythmische und oberflächliche thematische Verwandtschaft mit „Magic Bus“ von The Who gesprochen haben. Genau besehen ist das Thema des liberalen Busfahrers, der im Inneren seines Fahrzeuges ein strenges Regime führt, so urbritisch, dass der Song zuhause die besseren Karten gehabt hätte, da Gibbons damit vermutlich so nah an der britischen Seele war, wie es sonst nur die Kinks in ihren besten Stunden geschafft hatten.

Top-Act in Schweden

Mehr Anklang als in seiner Heimat und in den USA fand die LP in Deutschland und in Skandinavien. Und in Schweden brach sie sogar Rekorde. Dort verkaufte sich das Album sogar 100.000-mal. Da Schweden nur ein Zehntel der Einwohner Deutschlands hat, entspricht das einem Verkauf von einer Million LPs in Deutschland zur damaligen Zeit!

Wird fortgesetzt.

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